Statistiken zeigen: Männer betrügen häufiger als Frauen. Während das für betrogene Partnerinnen kein Trost ist, unterscheidet sich die Psychologie dahinter oft grundlegend. Viele Betrüger, besonders Wiederholungstäter, handeln opportunistisch und distanzieren sich emotional. Aber warum tun verheiratete Männer das? Jede Beziehung ist einzigartig – doch meist geht es nicht um Unzufriedenheit. Viele Männer betrügen, weil sie glauben, ungestraft davonzukommen, und weil sie es sich selbst erlauben. Interessant: Fremdgehen erschwert oft die Rolle als guter Vater und Ehemann, korreliert aber nicht mit fehlender familiärer Liebe.
„Männer denken: ‚Ich habe das jetzt gemacht, aber sonst bin ich zuverlässig, verantwortungsvoll, engagiert und ein guter Kerl. Nur der Sex war eine Ausnahme‘“, erklärt Robert Weiss, Ph.D., erfahrener Paartherapeut und Autor von Out of the Doghouse: A Step-by-Step Relationship-Saving Guide for Men Caught Cheating. „Frauen ticken da anders.“
In seiner langjährigen Praxis mit Paaren nach Untreue beobachtet Weiss: Männer, die stereotyp als „Reparaturmeister“ gelten, scheitern oft daran, den emotionalen Schaden zu heilen. Sie unterschätzen, wie verheerend ihr Handeln wirkt – für sie war es oft nur unverbindlicher Sex. Wiederholungstäter teilen diese Haltung: „Es ist nur Sex.“
Laut der Allgemeinen Sozialerhebung geben 20 % der Männer Fremdgehen zu, gegenüber 13 % der Frauen. Etwa 10 % der werdenden Väter betrügen ihre schwangere Partnerin. Der Widerstand gegen Versuchungen ist bei frisch Verheirateten höher, sinkt aber, wenn die Intimität nachlässt. Frauen suchen oft „bessere“ Partner, Männer handeln impulsiver.
Gesunde Männer, die gelegentlich fremdgehen, sind selten pathologisch. Chronische Fälle hängen mit Bindungsstörungen oder Sexsucht zusammen, gesündere mit Unreife. „Die meisten liegen dazwischen: Einmal betrogen, reflektiert, gelernt“, sagt Weiss aus seiner Expertise.
Die gute Nachricht: Offene Gespräche über Vertrauen, Intimität und Versuchungen verhindern vieles. Weiss rät zur kontinuierlichen Kommunikation.
Ein Klient wollte mit einer Kollegin schlafen. Weiss empfahl: Behandle die Ehe wie einen Vertrag – bespreche es vorher offen. Der Mann erkannte den Schmerz im Voraus – und tat es nicht. „Reife bedeutet, immer den Partner im Blick zu haben“, betont Weiss.