Im hektischen Alltag vergessen wir oft, richtig zu atmen. Erfahren Sie, was hinter unserer Atmung steckt und wie sie Ihnen immense Kraft schenkt – inklusive praxisnaher Anleitung von Experten.
Täglich atmen wir etwa 20.000 Mal ein und aus – meist unbewusst. Unter Stress beschleunigt sich der Atem durch Botenstoffe, die für flache, schnelle Züge sorgen.
Bewusst ruhiger, langsamer und tiefer atmen zu lernen, lindert Stresssymptome spürbar. So bleiben Sie gelassener, entspannter und vorbeugend stressresistenter.
Richtig atmen: Die enge Verbindung von Atmung und Psyche
Atmung verbindet Körper und Psyche als Brücke zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein, wie Forscher in Geo beschreiben. Sie läuft automatisiert durch das vegetative Nervensystem, das unwillkürliche Prozesse steuert.
Es passt den Atem an Bewegungen und Emotionen an: Schneller bei Sport oder Stress, langsamer in Ruhe. Chefarzt Wolfram Windisch von der Lungenklinik Köln-Merheim erklärt gegenüber SWR die enge Verknüpfung mit dem limbischen System – dem Emotionszentrum unseres Gehirns. Freude, Wut oder Schmerz beeinflussen so den Atemrhythmus.
Einzigartig: Atmung lässt sich bewusst steuern. Langsamer atmen verlangsamt Herzschlag, senkt Puls und Blutdruck und entspannt Muskeln. Prof. Thomas Loew (Psychotherapie) betont gegenüber Geo, dass "entschleunigte Atmung" dem Körper Tiefschlaf vortäuscht – und echte Entspannung einleitet.
Richtig atmen: Langsam, bewusst und effektiv
Loews Methode: Sechs Atemzüge pro Minute, 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden ausatmen (im Alltag bis 20 Züge). Diese Verlangsamung senkt gezielt Stress, hilft bei Bluthochdruck und Panikattacken.
Sportmediziner Ingo Froböse rät, die Ausatmung auf 5–7 Sekunden zu verlängern – idealerweise nasal. Mundatmung im Stress führt zu chronischer Hyperventilation: Hoher CO2-Ausstoß verengt Gefäße und verschlechtert die Durchblutung.
Üben Sie Bauchatmung, wie die AOK empfiehlt. Stress verursacht flache Brustatmung, die nur den Lungenoberteil versorgt und Kopfschmerzen oder Müdigkeit begünstigt. Bauchatmung nutzt das volle Lungenvolumen als "Vollatmung" für optimale Sauerstoffaufnahme.
Langsames Atmen: Einfache Anleitung zum Sofort-Training
Starten Sie so:
- Setzen Sie sich aufrecht, um das volle Lungenvolumen zu nutzen.
- Schließen Sie optional die Augen.
- Atmen Sie langsam nasal über den Bauch ein – Bauch wölbt sich. Zählen Sie bis 3.
- Halten Sie 4 Sekunden (ungefähr zählen).
- Atmen Sie 6 Sekunden aus – Bauch zieht sich ein.
- Wiederholen Sie mehrmals.
Ideal unterwegs: In der Bahn, auf der Bank oder vorm Meeting. Fühlen Sie sich sofort entspannter.
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