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Niksen: Die niederländische Kunst des Nichtstuns für Entspannung und Kreativität

Beim Niksen tun Sie absolut nichts Zweckgerichtetes – einfach nur entspannen und den Moment genießen. Als Experten für Stressbewältigung und Achtsamkeit erklären wir, was diese holländische Praxis bedeutet, welche Vorteile sie bietet und worauf Sie achten sollten.

In unserer leistungsgetriebenen Welt ist bewusstes Nichtstun eine echte Herausforderung. Kein Serienmarathon, kein Podcast-Hören, kein Scrollen in Social Media: Stattdessen einfach dasitzen und Gedanken schweifen lassen. Viele kennen diese Stille nur unfreiwillig, etwa mit leerem Akku im Wartezimmer. Absichtliches Faulenzen löst oft Schuldgefühle aus, statt Erholung.

Noch extremer: Eine Studie aus 2014 der University of Virginia zeigte, dass Proband:innen in 6 bis 15 Minuten Alleinsein lieber schmerzhafte Elektroschocks wählten, als mit ihren Gedanken konfrontiert zu sein. Langeweile ist für viele ein Feind.

Doch das niederländische Konzept Niksen – wörtlich „herumhocken“ – dreht das um. Es feiert das Nichtstun als Lebensphilosophie für mehr Gelassenheit.

Was ist Niksen genau?

Carolien Hamming, Leiterin eines Stresszentrums in den Niederlanden, beschrieb 2019 im Time Magazine: Niksen bedeutet, auf einem Stuhl aus dem Fenster zu schauen, die Umgebung wahrzunehmen, vielleicht leise Musik laufen zu lassen – alles ohne Ziel. Kein Checken des Gartens, keine Konzentrationssteigerung. Es geht um reines Sein.

Im Gegensatz zu Achtsamkeit, wo Sie Gedanken beobachten, oder Meditation, wo Sie sie loslassen, lassen Sie bei Niksen einfach Tagträumen zu. Ursprünglich als Faulheit abgetan, wird Niksen heute als Gegenmittel zu Stress und Burnout gefeiert – weg vom Leistungsdruck.

Die Vorteile von Niksen für Körper und Geist

Niksen passt zu Trends wie dänischem Hygge (Gemütlichkeit), schwedischem Lagom (Maßhalten) oder italienischem „dolce far niente“ (süße Faulheit). Aber wirkt Starren aus dem Fenster wirklich?

Forschung sagt Ja:

  • Eve Ekman (University of California) im Time Magazine: Entschleunigung mindert Angst, bremst Alterung und stärkt Abwehrkräfte.
  • Ruut Veenhoven (Erasmus University Rotterdam): Niksen boostet Kreativität, da das Gehirn im Hintergrund verarbeitet – Ideen kommen oft beim Spazierengehen.
  • Studien bestätigen: Schweifende Gedanken fördern kreative Problemlösung (2013) und Klarheit bei Zielen.
  • Netdoktor empfiehlt spontanes Nichtstun bei akutem Stress für Balance.

Auf was Sie beim Niksen achten sollten

Trotz Vorteilen: Nicht für alle ideal. Grübler:innen riskieren Rumination – Sorgenkarussells mit Herzrasen oder Schlaflosigkeit (Studie 2013). Yvonne Robel (Forschungsstelle Zeitgeschichte Hamburg) warnt: Als Lifestyle-Trend wird Niksen zur To-do-Liste, was den Sinn verfehlt. Bleiben Sie „passiv faul“.

Kombinieren Sie mit Produktivität: Eine 2016-Studie zeigt, dass aktive Freizeit (Spiele, Gespräche, Gärtnern) Glück steigert durch Beziehungen und Selbstwirksamkeit.

So starten Sie mit Niksen

Nichts tun fällt schwer in unserer Ablenkungs-Ära. Diese bewährten Tipps helfen:

  1. Kein Druck: Sehen Sie Niksen als puren Genuss, nicht als Optimierung. Misserfolge sind okay.
  2. Langsam steigern: Von 2 Minuten starten. Probiert Do Nothing for 2 Minutes.
  3. Persönlich anpassen: Fensterblick, Naturspaziergang oder Kritzeln? Hauptsache: Gedanken frei.
  4. Andere respektieren: Weniger Erwartung an andere reduziert eigenen Druck.