Menschen mit Einschlafproblemen teilen oft typische Merkmale: Tränensäcke, häufiges Gähnen und ein ständiger Drang nach koffeinhaltigen Getränken. In Jahren der Beratung von Patienten mit Schlafstörungen hat der staatlich geprüfte Schlafspezialist Dr. Rafael Pelayo, Professor an der Stanford Medicine und Autor von Wie man schläft: Die neuen wissenschaftlich fundierten Lösungen für das Durchschlafen der Nacht, eine subtile Gemeinsamkeit entdeckt: Sie beschreiben die Schlafenszeit mit ähnlicher Wortwahl.
Das Problem mit dem "Versuchen", zu schlafen
"Menschen mit chronischen Schlafproblemen sprechen auf eine Weise, die sonst niemand tut", erklärt Pelayo. "Man hört oft: 'Ich versuche, zu schlafen.'"
Diese Formulierung wirkt harmlos, signalisiert aber laut Pelayo eine defätistische Haltung, die den Schlaf erschweren kann. Die Stimmung ist neben Menge, Qualität und Timing einer der vier Schlüsselfaktoren für guten Schlaf. Das Gehirn kann Schlaf schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Stellvertretend: Wer normalerweise 12 Atemzüge pro Minute macht, denkt nicht darüber nach – es passiert automatisch. Würde man es bewusst erzwingen, würde es stocken.
Gleiches gilt für den Schlaf: Der Körper ist darauf eingerichtet, jede Nacht ausreichend zu bekommen. Zu viel Nachdenken stört diesen natürlichen Rhythmus. "Du versuchst nicht zu atmen oder hungrig zu werden. Das sind biologische Prozesse", betont Pelayo. "Versuchen zu schlafen bedeutet, wach zu bleiben."
So entwickeln Sie eine neue Einstellung zum Schlafen
Wer mit Schlaflosigkeit kämpft, weiß, dass eine Änderung der Denkweise nicht einfach ist. Dr. Pelayo gibt praktische Tipps, um Schlaf nicht als Anstrengung, sondern als natürlichen Vorgang zu sehen:
1. Wertschätzen Sie den Schlaf
Schlaf ist eine willkommene Erholung: Er ruht den Körper aus, erfrischt den Geist und entlastet vom Alltag. Wenn er zur Last wird, erinnern Sie sich an diese Vorteile.
2. Planen Sie den nächsten Tag mental durch
"Wir schlafen am besten in Gelassenheit, am schlechtesten in Ungewissheit", sagt Pelayo. Lenken Sie sich ab, indem Sie Ihre Morgenroutine durchdenken: Kaffee kochen, Zähne putzen, Frühstück zubereiten. Das schafft Kontrolle und reduziert Angst – eine universelle Anti-Stress-Strategie.
3. Vertrauen Sie und entspannen Sie sich
Guter Schlaf ist essenziell, aber eine schlechte Nacht kein Weltuntergang. Junge Mütter wachen stündlich auf – der Körper ist anpassungsfähig. "Schlaf kommt, wenn die Bedingungen stimmen", versichert Pelayo. "Manchmal ist Wachen okay."
Mit fester Routine, angenehmem Schlafzimmer und ggf. Hilfsmitteln legen Sie die Basis. Dann vertrauen Sie Ihrem Körper.