Reduziert man das Jahr 2019 auf einen Wellness-Trend, dann war es der Selleriesaft. Der hellgrüne Saft eroberte dank Prominenter und Influencer Instagram-Feeds weltweit. Doch nun rückt Gurkensaft als neuer Kandidat mit fragwürdigen Gesundheitsversprechen nach – Zeit, Platz im Kühlschrank zu schaffen.
Gurkensaft wurde populär durch Anthony William, den 'Medical Medium'. Er ist kein Arzt – das sei vermerkt. Dennoch propagiert er Reinigung und Entgiftung des Körpers, Unterstützung der Verdauung sowie entzündungshemmende Effekte, die bei Autoimmunerkrankungen helfen sollen. Und das ist nur der Anfang.
Für optimale Wirkung empfiehlt er täglich 8–16 Unzen. Gurkensaft wie auch Selleriesaft haben rund 40 Kalorien pro 8-Unzen-Portion – kalorienarm im Vergleich zu Fruchtsäften (z. B. frischer Orangensaft mit ca. 110 Kalorien pro 8 Unzen).
Fundierter Rat oder bloßer Hype? Wir fragten Amy Goodson, MS, RDN, eine erfahrene Ernährungsberaterin.
"Gurken sind kalorienarm, aber reich an Kalium, Mangan sowie Vitaminen K und C", erklärt Goodson. Ihr hoher Wassergehalt hält hydriert. Eine Studie deutet zudem darauf hin, dass Gurken Entzündungen in Hautzellen lindern können – ideal nach sonnigen Tagen. Gurken eignen sich hervorragend für Snacks, Salate oder gelegentlichen Saft. Das Problem? Entsaften ist nicht die beste Methode.
Gemüse trinken statt essen?
"Beim Entsaften gehen wertvolle Ballaststoffe verloren, obwohl Nährstoffe erhalten bleiben", betont Goodson. Eine mittelgroße Gurke liefert etwa 2 Gramm Ballaststoffe, hauptsächlich in der Schale.
Bevorzugen Sie flüssig? Pürieren Sie die Gurken statt zu entsaften – so bleiben die Fasern weitgehend erhalten.
"Pürieren oder mixen sichert Nährstoffe und Ballaststoffe gleichermaßen", rät sie.
Gurkensaft vs. Selleriesaft
"Beide Saefte enthalten Mangan, Magnesium, Vitamin A und Kalium. Sellerie punktet jedoch bei Vitamin C und K", sagt Goodson.
Viel Forschung basiert auf Tierversuchen oder Zellkulturen – Übertragbarkeit auf Menschen ist begrenzt.
Das Fazit
Die von William versprochenen Wunder sind unwahrscheinlich, doch Goodson betont: "Es schadet nicht!" Gurken und Sellerie spenden Feuchtigkeit und Nährstoffe. Am besten genießen Sie sie naturbelassen für maximalen Nutzen. Gemüsesäfte ergänzen eine gesunde Ernährung – ersetzen sie aber keine ausgewogene Kost.