Ihr Körper produziert eine Vielzahl hilfreicher Botenstoffe, die als Hormone bekannt sind. Diese Substanzen gelangen zu Geweben und Organen und sorgen für den reibungslosen Ablauf lebenswichtiger Prozesse. Ein zentrales Hormon dabei ist Serotonin, das bei vielen Funktionen eine Schlüsselrolle spielt.
Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über dieses essenzielle Hormon aus der Perspektive von Fachleuten.
Was Serotonin leistet – und was bei zu niedrigen Werten passiert
Serotonin reguliert Stimmung, Appetit, Gedächtnis und Schlaf. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 bestätigt zudem seine Beteiligung an Herzfunktion, Verdauung und Blasenkontrolle.
Faktoren wie Alterung, Bewegungsmangel, belastende Lebensereignisse (z. B. ein Verlust in der Familie) oder eine unausgewogene Ernährung können den Serotoninspiegel aus dem Gleichgewicht bringen, erklärt Annette Nunez, PhD, lizenzierte Psychotherapeutin und Gründerin von Breakthrough Interventions, LLC. Bei sinkenden Werten treten oft Traurigkeit, Reizbarkeit, Ängste und Schlafstörungen auf. „Besonders typisch sind Depressionen“, betont Nunez.
Zur Behandlung von Depressionen eignen sich selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), verschreibungspflichtige Medikamente, die die Serotoninfunktion steigern. Gängige Beispiele: Fluoxetin, Sertralin und Citalopram.
Auch Appetitveränderungen sind möglich: „Manche fühlen übermäßigen Hunger, andere verlieren den Appetit komplett“, beschreibt Nunez. Weitere Einflüsse wie Stimmungsschwankungen oder emotionales Essen spielen hier eine Rolle.
Natürliche Wege, um Serotonin zu steigern
Serotonin lässt sich auch ohne Medikamente natürlich fördern.
1. Serotonin-fördernde Lebensmittel essen
Bestimmte Nahrungsmittel erhöhen den Serotoninspiegel. Reich an Tryptophan – einer Aminosäure, die laut einer Übersicht aus 2016 im Gehirn zu Serotonin umgewandelt wird – sind proteinhaltige Produkte wie Fleisch (Truthahn, Lachs), Tofu, Milchprodukte (Eier, Käse), Nüsse und Samen, rät Nunez.
2. Regelmäßig bewegen
Bewegung wirkt Wunder für Stimmung und Serotonin. „20 bis 30 Minuten tägliches Training setzen das Hormon frei und boosten Endorphine – die Wohlfühlstoffe“, sagt Nunez. Eine Meta-Analyse von 2013 zeigt: Sport kann Depressionssymptome genauso effektiv lindern wie Medikamente oder Therapie.
Die Wahl der Aktivität ist egal – wählen Sie, was Spaß macht, und halten Sie es durch.
Was bei zu hohen Serotoninwerten droht
Während niedrige Werte häufiger sind, kann ein Überschuss – das Serotonin-Syndrom – lebensgefährlich werden. Es tritt vor allem bei Kombinationen serotoninerhöhender Medikamente wie SSRIs auf. Eine Übersicht von 2013 nennt Symptome wie Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Durchfall. Vermeiden Sie multiple serotonerge Präparate, empfehlen die Autoren.
Zusammenfassung
Fühlen Sie sich seit einem Monat oder länger depressiv, reizbar oder ängstlich? Holen Sie professionellen Rat ein. „Niedriger Serotonin kann zu schweren Depressionen und Suizidgedanken führen“, warnt Nunez. Ein Psychiater kann geeignete Therapien oder Medikamente empfehlen.