Zahlreiche Studien belegen, dass Männer bei COVID-19 und anderen Infektionskrankungen häufiger schwere Verläufe erleiden und öfter versterben als Frauen. Forscher sehen hier vor allem das X-Chromosom als Ursache, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet.
Trotz ähnlicher Infektionsraten zeigen die Statistiken klare Geschlechtsunterschiede: Eine Studie aus 2020 ergab, dass das Sterberisiko für Männer um 31 bis 47 Prozent höher ist. In Deutschland waren etwa zwei Drittel der Corona-Opfer männlich.
Bereits bei Erkrankungen wie Tuberkulose oder Hepatitis B erkranken Männer schwerer. Bis zur Menopause verfügen Frauen über ein robusteres, aktiveres Immunsystem – ein Fakt, der in der Forschung gut etabliert ist.
Beachte: Aktuelle Daten differenzieren meist nur nach Männern und Frauen. Die Auswirkungen auf nicht-binäre, intersexuelle oder trans* Personen werden selten erfasst. Wissenschaftlich gemeint sind unter „Männern“ Personen mit XY-Chromosomen und unter „Frauen“ solche mit XX. Diese Begriffe werden hier entsprechend verwendet. Dennoch: „Mann“ und „Frau“ sind gesellschaftliche Konstrukte, wie Utopia betont.
Unterschiede im Immunsystem: Chromosomen und Sexualhormone
Das stärkere Immunsystem bei Frauen hängt primär mit den zwei X-Chromosomen zusammen. Viele Immun-Gene liegen dort, und das zweite X-Chromosom ist nicht inaktiv, sondern trägt aktiv zur Abwehr bei – wie neuere Forschungen zeigen.
Sexualhormone spielen ebenfalls eine Rolle: Östrogen fördert Immunreaktionen, während Testosteron diese dämpft, berichtet Quarks. Zudem ist der ACE2-Rezeptor – Einstiegstor für das Virus – bei Frauen und Kindern weniger ausgeprägt, besonders in Lunge und Herz. Östrogen bremst seine Verbreitung zusätzlich.
Starkes Immunsystem und Autoimmunerkrankungen
Der Vorteil hat Schattenseiten: Frauen sind anfälliger für Autoimmunkrankheiten wie Morbus Crohn, Typ-1-Diabetes oder Multiple Sklerose, da das Immunsystem eigene Zellen angreift. Auch Impfreaktionen sind häufiger, aber geringere Dosen reichen oft für längeren Schutz.
Welche Rolle spielt unser Verhalten?
Verhaltensfaktoren verstärken die Unterschiede: Männer rauchen weltweit mehr (35 % vs. 6 % bei Frauen), trinken öfter Alkohol und ernähren sich riskanter – Risikofaktoren für schwere Verläufe. Testosteron wird als Auslöser vermutet, doch neuere Studien (z. B. Bild der Wissenschaft) sehen Sozialisierung und Erziehung als Schlüsselfaktoren. Toxische Männlichkeitsideale können so Gesundheitsrisiken fördern.