Laut einer aktuellen Studie im Journal of Abnormal Psychology leiden junge Menschen heute deutlich stärker unter psychischen Belastungen als noch vor zehn Jahren. Besonders seit 2011 zeigen Daten einen signifikanten Anstieg bei psychischen Störungen, schweren Depressionen und Suizidgedanken bei Amerikanern zwischen 12 und 25 Jahren.
Jean Twenge, Ph.D., Professorin für Psychologie an der San Diego State University und Autorin von iGen, leitete das Forschungsteam. Es analysierte Umfrageantworten aus der National Survey on Drug Use and Health (NSDUH), einer repräsentativen Erhebung zu Drogen-, Alkohol- und psychischer Gesundheit seit 1971. Die Studie umfasste Daten von 200.000 Jugendlichen (12–17 Jahre) aus den Jahren 2005–2017 sowie von 400.000 jungen Erwachsenen ab 18 Jahren.
Die Ergebnisse sind alarmierend: Die Quote schwerer Depressionen bei Teenagern stieg in zwölf Jahren um 52 Prozent – von 8,7 Prozent im Jahr 2005 auf 13,2 Prozent 2017. Ähnliche Zunahmen zeigten sich bei psychischer Belastung und Suizidgedanken, wie Prof. Twenge betont.
Bei jungen Erwachsenen (18–25 Jahre) war der Anstieg noch ausgeprägter: Schwere Depressionen erhöhten sich zwischen 2009 und 2017 um 63 Prozent, ernsthafte psychische Probleme um 71 Prozent von 2008 bis 2017.
Bei Erwachsenen über 25 Jahren gab es hingegen keine Veränderungen bei Depressionen oder Suizidgedanken – bei über 65-Jährigen sogar einen leichten Rückgang der Belastung. „Diese Trends [zu mehr Depressionen und Suizidgedanken] sind bei Erwachsenen ab 26 Jahren schwach oder nicht vorhanden, was auf einen Generationswechsel bei Stimmungsstörungen hindeutet, anstatt auf eine allgemeine Zunahme“, erklärte Dr. Twenge in einer Pressemitteilung.
Warum leiden junge Menschen vermehrt unter psychischen Problemen?
Der Höhepunkt der Probleme fiel mit 2011 zusammen, was laut Dr. Twenge weder mit wirtschaftlichen Krisen noch Genetik erklärbar ist. Stattdessen sieht sie kulturelle Veränderungen als Ursache: Die Generation, geboren zwischen frühen 1980ern und späten 1990ern, kommuniziert primär digital via Smartphones und Social Media. Frühere Studien belegen, dass reduzierte Face-to-Face-Interaktionen das Depressionsrisiko steigern und Social Media Depressionen fördert.
Eine weitere Hypothese: Jugendliche schlafen weniger durch intensive Bildschirmnutzung. Schlafmangel korreliert mit höherem Depressionsrisiko, wie zahlreiche Untersuchungen zeigen.
„Diese Ergebnisse legen nahe, dass mehr Forschung erforderlich ist, um zu verstehen, wie digitale Kommunikation im Vergleich zu sozialer Interaktion von Angesicht zu Angesicht Stimmungsstörungen und Suizidfolgen beeinflusst, und um spezialisierte Interventionen für jüngere Altersgruppen zu entwickeln“, betont Dr. Twenge.
Wie können wir dagegen vorgehen?
Bei starken Belastungen: Professionelle Hilfe suchen, um einen individuellen Plan zu erstellen. Auch präventiv rät Dr. Twenge, Lebensgewohnheiten anzupassen, um Risiken zu mindern.
Nutzen Sie Ihr Smartphone weniger (einfacher als gedacht!) und halten Sie es aus dem Schlafzimmer fern. Priorisieren Sie acht Stunden Schlaf pro Nacht. Am wichtigsten: Setzen Sie persönliche Begegnungen über digitale Interaktionen.
In Großbritannien verschreiben Ärzte bereits „soziale Kontakte“ gegen Depressionen und Ängste („social prescribing“).
„Es gibt wahrscheinlich keinen stärkeren Einflussfaktor auf unsere Stimmung“, sagt die ganzheitliche Psychiaterin und mbg-Kollektivmitglied Ellen Vora. „Es gibt keinen Fünf-Schritte-Plan, der Sie mit unterstützenden Freunden verbindet – das braucht Zeit. Machen Sie es zur Priorität, ja zu Gelegenheiten für echte Verbindungen zu sagen, und lassen Sie keine Chance entgehen, weil Sie im Handy versunken sind.“