Ach, der Sommer – eine Zeit für leichte Kleidung und die Wärme der Sonne auf der Haut. Doch in Büros wird diese Freude oft getrübt: Überaktive Klimaanlagen machen die Luft unangenehm kalt.
In meinem letzten Bürojob trugen alle Frauen im Team dicke Strickjacken, Schals oder sogar Decken, die sie extra im Büro lagerten. Viele hatten persönliche Heizgeräte unter dem Schreibtisch. Das ist nicht nur absurd, sondern auch energieverschwendend: Kaltluft wird hineingepumpt, während Heizungen dagegenhalten müssen.
Menschen haben unterschiedliche Temperaturpräferenzen, doch Frauen leiden spürbar stärker unter der Kälte als Männer. Eine neue Studie in der Zeitschrift PLOS ONE bestätigt das: Frauen sind bei höheren Temperaturen produktiver, Männer bei niedrigeren.
Benachteiligen kalte Büros Frauen?
Die Forscher testeten über 500 Personen in Räumen mit Temperaturen zwischen 16 und 33 Grad Celsius (61 bis 91 Grad Fahrenheit). Teilnehmer wurden mit Geldpreisen motiviert. Ergebnis: Frauen erzielten in wärmeren Räumen höhere Scores und beantworteten mehr Fragen; Männer performten besser bei Kälte.
„Gewöhnliche Temperaturschwankungen beeinflussen die kognitive Leistung bei Männern und Frauen erheblich und unterschiedlich“, erläutern die Forscher. „Frauen schneiden bei höheren Temperaturen in Mathe- und Verbalaufgaben besser ab, Männer bei niedrigeren.“
Produktivität sinkt bei unangenehmen Temperaturen – bei Frauen durch reduzierte Anstrengung.
„Die Verbesserung der Leistung bei Frauen [in Wärme] wird durch mehr eingereichte Antworten getrieben, was auf gesteigerte Anstrengung hindeutet“, schreiben die Autoren. „Die Steigerung bei Frauen überwiegt den Rückgang bei Männern.“
Frauen arbeiten also in wärmeren Büros effizienter, Kälte trifft sie stärker als Wärme die Männer.
Die sexistische Geschichte des Thermostats
Die meisten Thermostate sind auf Männer abgestimmt. Eine Studie aus 2015 in Nature Climate Change zeigt: Heiz- und Kühlsysteme basieren auf einer Formel aus den 1960er Jahren für einen 70 kg schweren 40-jährigen Mann.
Frauen haben einen niedrigeren Stoffwechsel und erzeugen weniger Körperwärme. Die Formel überschätzt ihren Bedarf um bis zu 35 Prozent. Frauen bevorzugen rund 25 Grad Celsius (77 Grad Fahrenheit), Männer etwa 22 Grad Celsius.
(Ein Forscher der Studie sagte später Popular Science: Viele Büros sind bei 20–22 Grad Celsius – zu kalt für alle.)
Frauen am Arbeitsplatz fördern? Thermostat hoch!
„Unsere Ergebnisse unterstützen den Thermostat-Krieg: Es geht um Leistung und Produktivität, nicht nur Komfort“, betonen die PLOS ONE-Forscher. „In gemischten Teams sollten Temperaturen über den Standards liegen.“
Frauen meistern schon genug Herausforderungen wie Gläserne Decken oder mangelnden Elternurlaub. Ein sexistischer Thermostat ist unnötig.
Als Führungskraft: Erhöhen Sie die Temperatur um ein paar Grad. Das boostet die Hälfte Ihres Teams – einfach und wirksam.
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