In Süddeutschland wird Blutwurz traditionell als Verdauungsschnaps geschätzt. Diese etablierte Heilpflanze unterstützt bei Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut. Sie lässt sich zudem einfach im eigenen Garten ziehen.
Der Name Blutwurz rührt vom blutroten Farbstoff im Wurzelstock her, den Färber früher für Textilien nutzten. Die Naturheilkunde schreibt ihr eine blutstillende Wirkung zu, die jedoch wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt ist.
Auch heute findet Blutwurz als Naturheilmittel Verwendung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung klasseifiziert sie als unbedenklich, und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bewertet ihre therapeutische Wirkung positiv. Mehrere Studien belegen entzündungshemmende Inhaltsstoffe.
Blutwurz bei Schleimhautentzündungen und Durchfall
Blutwurz wirkt entzündungshemmend. Eine Studie erklärt dies mit dem hohen Gehalt an Gerbstoff Agrimoniin in der Wurzel. Gerbstoffe bilden auf verletzten oder entzündeten Schleimhäuten eine schützende Häutenschicht, die Keime abwehrt. Bei Durchfall reduziert sie zudem den Flüssigkeitsverlust im Darm.
Eine weitere Studie belegt die Wirksamkeit gegen Durchfall: Bei Kindern verkürzte Blutwurzelextrakt die Dauer der Beschwerden und minderte Flüssigkeitsverluste.
Primär eignet sich Blutwurz für Magen-Darm-Beschwerden. Eine Mundspülung mit Blutwurz lindert zudem leichte Entzündungen im Mund- oder Rachenraum.
Blutwurz als Tee oder Mundspülung zubereiten
Aus pulverisierter oder gehackter Blutwurz bereiten Sie einen Tee zu:
- Rühren Sie in 150 Milliliter kochendes Wasser zwei bis drei Gramm Pulver ein (ca. ein gestrichener Teelöffel) oder übergießen Sie eine passende Menge Wurzelstücke.
- Lassen Sie den Tee zehn Minuten ziehen, damit die Wirkstoffe übergehen.
Bei Magen-Darm-Problemen, insbesondere Durchfall, trinken Sie den Tee zwischen den Mahlzeiten in kleinen Schlucken. Drei- bis viermal täglich ist empfehlenswert.
Bei Entzündungen im Mund- oder Rachenraum eignet sich der Tee als Spül- oder Gurgellösung: Ein Schluck ein bis zwei Minuten gurgeln und ausspucken.
Durch den hohen Gehalt an Gerbstoffen wie Agrimoniin entfaltet Blutwurz ihre Wirkung, kann aber in Überdosierung die Schleimhäute reizen. Nehmen Sie sie daher nur in Maßen: Die Tagesdosis beträgt maximal sechs Gramm, eine Kur nicht länger als zwei Wochen.
Blutwurz im Garten anbauen
Als robuste Wildpflanze ist Blutwurz pflegeleicht und anspruchslos.
- Wählen Sie einen Standort im Halbschatten, der auch sonnig auskommt. Optimal: trockener, sandiger Boden.
- Säen Sie die Samen im Spätherbst (ab September) oder frühen Frühjahr (bis Mitte März). Als Kaltkeimer braucht sie Kälte zum Keimen.
- Lassen Sie zwischen Reihen 25 Zentimeter Abstand.
- Bedecken Sie die Samen leicht mit Erde.
Düngen Sie nicht und gießen Sie nur bei extremer Trockenheit. Blutwurz ist wasserarm gewöhnelt.
Von der Wurzel zum Tee: Ernte und Trocknung
Blutwurz blüht von Mai bis September. Die leuchtend gelben Blüten sind dekorativ, doch die Wurzel ist der Heilwert. Ernten Sie sie ab Oktober.
- Graben Sie den gesamten Wurzelstock vorsichtig aus.
- Waschen Sie die Wurzeln gründlich.
- Entfernen Sie Wurzelfäden mit einem Messer.
Zum Trocknen für Tee:
- Schneiden Sie in Scheiben.
- Trocknen Sie an einem warmen, trockenen Ort (z. B. nahe Heizung), um Schimmel zu vermeiden.
- Warten Sie ein bis zwei Wochen.
- Zerkleinern Sie zu Stücken oder Pulver, z. B. mit Mörser (online bei Avocadostore) oder Gewürzmühle (ebenfalls bei Avocadostore).
- Lagern Sie in Schraubgläsern dunkel und trocken.