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Minderwertigkeitskomplex: Strategien und Methoden, die dagegen helfen

Minderwertigkeitskomplexe können einen großen Leidensdruck auslösen. So kannst du lernen, mit der Angst nicht genug zu sein, umzugehen.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Aus diesen Vergleichen entsteht jedoch meist das Gefühl, nicht gut genug, also minderwertig zu sein. Minderwertigkeitskomplexe hat wahrscheinlich jeder einmal.

Doch bei manchen werden die Komplexe so stark, dass sie ihren Alltag beeinträchtigen. Aus den Unsicherheiten, die Minderwertigkeitskomplexe verursachen, entstehen meist Ängste. Und Ängste können lähmend wirken. Das kann so weit gehen, dass wir uns gar nicht mehr trauen, etwas Neues auszuprobieren, unsere Meinung zu sagen, unseren Körper zu zeigen oder im schlimmsten Falle sogar das Haus zu verlassen.

Wie entstehen Minderwertigkeitskomplexe?

Dieses Gefühl beginnt schon im Kindesalter: Wir lernen früh, welches Verhalten uns Anerkennung und Liebe bei unseren Eltern einbringt und welches Enttäuschung und Ablehnung verursacht. Manche Eltern zeigen immer nur dann Zuwendung, wenn das Kind etwas bestimmtes geleistet hat. So lernt das Kind nicht, dass wir als Menschen von Grund auf wertvoll sind.

Dieser Prozess muss nicht immer bewusst ablaufen. Manchmal passiert es auch, dass Eltern einem Kind selbst bei erbrachter Leistung keine Akzeptanz schenken. Dadurch entsteht das Gefühl, niemals gut genug zu sein. 

Selbst wenn wir aus einem liebevollen Haushalt kommen, kann unsere erste Sozialisation außerhalb der Familie uns dahingehend beeinträchtigen. Im Kindergarten lernen wir schnell, welches Verhalten uns bei den anderen Kindern beliebt macht und welches uns aus der Gruppe ausschließt. Niemand wird gerne ausgeschlossen, nicht einmal der selbstbewussteste Charakter. Bei manchen kann dies zur Folge haben, sich aus Angst vor dem Verstoßenwerden bis zur Selbstaufgabe anzupassen.

Vor allem in der Pubertät sind die meisten Jugendlichen von solchen Minderwertigkeitsgefühlen geplagt. Jeder ist gerade dabei herauszufinden, wer er wirklich ist. Und wer jetzt nicht zur Peer-Group gehört, wer negativ auffällt, wer nicht beliebt ist, hat es schwerer auf dem Schulhof. Wir versuchen uns durch Anpassung auch vor potentiellem Mobbing zu schützen. Diese Angst kann dazu führen, das man sich nicht mehr traut, Kleidung zu tragen die „uncool“ ist, oder seine Meinung zu sagen.

Bei vielen löst sich diese Art der Komplexe nach der Schulzeit jedoch nicht. Denn mit steigendem Alter und veränderter Umgebungen steigen die Erwartungen: Brauche ich zu lang für mein Studium? Bin ich immer noch zu „uncool“ für meine KommilitonInnen? Mein Partner hat sich von mir abgewendet, bin ich gar nicht liebenswert? 30 und immer noch nicht verheiratet oder kinderlos? Immer noch keine Beförderung im Job? Oder einfach immer noch nicht den richtigen Job gefunden?

Minderwertigkeitskomplexe und der Einfluss von sozialen Medien

Vor allem in Zeiten von Social Media kann ein noch größerer Leidensdruck entstehen, da wir uns tagtäglich mit Menschen aus aller Welt vergleichen können: Egal ob im Beruf, bei der Familiengründung oder beim „perfekten“ Körper – irgendjemand scheint uns immer einen Schritt voraus zu sein. Wenn wir uns jeden Tag anschauen, was andere haben – und was wir nicht haben –  fühlen wir uns miserabel. Uns wird suggeriert, dass nur diese Dinge glücklich machen, da nur sie zeigenswert sind.

Was wir dabei jedoch vergessen: Diese Bilder werden auch nur genau deshalb gezeigt. Jeder will nur die guten und schönen Seiten sehen, weshalb nur wenige Influencer Bilder mit Pickeln oder Cellulite posten. Kaum jemand fotografiert die hässlichen Gegenden eines Reiseziels oder spricht über Flauten in der Karriere oder Beziehung. Online wollen wir uns ausschließlich von unserer besten Seite zeigen.

Insbesondere in schlechten Zeiten haben wir die Angewohnheit, ständig durch Instagram und Co. zu scrollen. Wir wollen uns immer wieder vor Augen führen, was wir alles haben könnten und doch nicht haben. Wir steigern uns weiter in unsere Minderwertigkeit rein, suhlen uns förmlich in unserer „Opferrolle“ mit der darauf folgenden Handlungsunfähigkeit.

Leide ich unter Minderwertigkeitskomplexen?

Hast du das Gefühl, unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden? Mit dieser Checkliste kannst du es herausfinden:

  • Wenn andere mir ein Kompliment machen, kann ich es nicht annehmen und verweise sofort auf meine Schwächen.
  • Wenn jemand mir sagt, dass er oder sie mich mag, fällt es mir sehr schwer dies zu glauben.
  • Ich sabotiere meine Beziehungen, bevor sich jemand von mir trennen kann, nachdem er oder sie „mein wahres Ich“ kennengelernt hat.
  • Ich setze mir unerreichbare Ziele, sodass ich mich in meinen Ängsten bestätigt fühle, wenn ich diese nicht erreiche.
  • Ich mache alles entweder „perfekt“ oder gar nicht.
  • Ich traue mich nicht, Neues auszuprobieren aus Angst vor dem Versagen oder dem Urteil der Anderen.
  • Wenn jemand etwas erreicht, das auch ich erreichen möchte, werde ich schnell neidisch und versuche seinen oder ihren Erfolg herunterzuspielen.

Wenn du mindestens zwei dieser Aussagen nachempfinden kannst, dann ist es möglich, dass du unter Minderwertigkeitskomplexen leidest. Wir zeigen dir, was du tun kannst, um damit umzugehen und in deinem Leben Schritte in Richtung einer erfüllenden Zukunft zu tun.

Wie überwinde ich meine Minderwertigkeitskomplexe?

Minderwertigkeitskomplexe vollständig loszuwerden schafft nicht jeder. Aber das musst du auch gar nicht: Wichtig ist zu lernen, mit ihnen umzugehen. Sie sollen dich nicht davon abhalten, dein Leben voll auszukosten. Das zu lernen ist jedoch nicht immer leicht.

Welches Umdenken kann dir dabei helfen, mit deinen Minderwertigkeitskomplexen klar zu kommen?

  • Wofür schätzt du deine Idole? Dafür, dass sie „perfekt“ sind oder dafür, dass sie einzigartig sind? Lerne, dich selbst so zu betrachten und gelassener mit deinen Schwächen umzugehen.
  • Spiele deine Stärken nicht herunter, denn wie jeder Mensch hast auch du welche. Du musst sie nur als solche erkennen und schätzen lernen.
  • Vergleiche dich nicht mit anderen, vergleiche dich mit deinem vergangenen Ich. Versuche immer nur besser als du selbst zu werden und dich weiterzuentwickeln.
  • Jeder geht seinen Weg zu seiner Zeit. Erwarte nicht, dich auf dieselbe Weise zu entwickeln wie andere. Jeder hat mit seinen eigenen ganz persönlichen Hürden zu kämpfen.
  • Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Verschwende deine Zeit nicht mit Reue, schaue lieber in die Zukunft.
  • „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Wenn du also immer vermeidest, Neues auszuprobieren, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen, wird sich dein Leben auch nicht weiterentwickeln.

Doch was kannst du konkret tun?

  • Lege ein „Katastrophen-Szenario“-Tagebuch an. Immer, wenn du Angst hast, zu versagen, notiere das Schlimmste, das passieren könnte. So visualisierst und konkretisierst du deine Ängste. Du wirst schnell merken, dass viele Sorgen auf Papier lächerlich erscheinen und selbst das Schlimmste nie so dramatisch ist, wie du denkst.
  • Finde eine Sportart, die dir Spaß macht. Vor allem Menschen, die wegen ihres Körpers unter Komplexen leiden, betrachten ihn nur unter dem Aspekt seines Aussehens. Wenn du jedoch eine Sportart betreibst, die dir gefällt, lernst du deinen Körper auf eine neue Weise zu schätzen.
  • Entfolge Accounts auf Instagram, Youtube oder ähnlichen Plattformen, die dir ein Gefühl von Minderwertigkeit vermitteln. Folge lieber Leuten, die inspirierend sind und mit ihrem Social Media-Account Gutes tun wollen, wie zum Beispiel Poeten, Künstler, Umweltschutz– und Menschenrechtsaktivisten.
  • Mache Dinge unperfekt. Wenn du Angst davor hast, etwas zu tun, stelle dir immer die folgende Frage: Wen bewunderst du mehr? Den, der einen Marathon mit vielen Pausen läuft, ihn aber trotzdem durchzieht? Oder den, der aus Angst davor, lauter Pausen machen zu müssen, den Marathon erst gar nicht mitläuft?