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Neue Studie: Anästhetikum Propofol könnte traumatische Erinnerungen unterdrücken

Die meisten Menschen tragen unangenehme, beängstigende oder traumatische Erinnerungen mit sich, die sie lieber vergessen würden. Besonders Betroffene von PTBS, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen streben an, solche wiederkehrenden Belastungen zu überwinden – ein zentraler Schritt zur Heilung.

Forscher haben nun einen vielversprechenden Ansatz vorgestellt: Eine Studie in der renommierten Zeitschrift Science Advances zeigt, dass schlechte Erinnerungen durch die gezielte Gabe eines Anästhetikums während ihrer Reaktivierung unterdrückt werden können.

So funktioniert der Mechanismus

In der Studie wurden 50 Probanden Diashows mit unangenehmen Geschichten präsentiert. Eine Woche später rief eine Erinnerungskarte die Geschichte ab. Sobald das Gedächtnis aktiviert war, erhielten Teile der Gruppe eine Infusion mit Propofol, einem gängigen Anästhetikum. Nach 24 Stunden erinnerten sich diese Probanden signifikant schlechter an die negative Geschichte.

Der Grund liegt in der Funktionsweise des Gedächtnisses: Neue Erlebnisse werden als sensorische und emotionale Signale verarbeitet und konsolidiert. Frisch gebildete Erinnerungen sind anfällig für Veränderungen. Bei Reaktivierung durchlaufen sie einen Rekonsolidierungsprozess, in dem sie erneut formbar sind – wie aktuelle Forschung, einschließlich Konzepten wie "absichtlichem Vergessen", belegt.

Anästhetika wie Propofol stören dabei die Aktivität im Hippocampus und der Amygdala, Schlüsselregionen für emotionales Gedächtnis, wie Neuroimaging-Daten belegen.

Potenzial für die Traumatherapie?

Das Forschungsteam sieht hier eine Grundlage für nicht-invasive Behandlungen. "Die Anpassung maladaptiver Gedanken und Verhaltensweisen, die mit emotionalen Erinnerungen verknüpft sind, ist essenziell für psychiatrische Therapien", betonen die Autoren. Eine selektive Störung der Rekonsolidierung könnte PTBS revolutionieren.

Wichtig: Die schwächere Erinnerung an eine künstliche Geschichte unterscheidet sich von echten Traumata, wie die Studie einräumt. "Diese emotionalen Erinnerungen sind fernab echter Stresserlebnisse. Klinische Studien sind nötig, um den Ansatz auf pathologische Fälle anzuwenden. PTSD ist komplex und umfasst intrusive Erinnerungen sowie peritraumatische Störungen mit variierender Manipulierbarkeit."

Neben dem therapeutischen Potenzial mahnt die Studie ethische Risiken: Missbrauch eines solchen "Gedächtnislöschers" durch Unberechtigte wäre bedenklich.

Insgesamt markiert diese Entdeckung einen Meilenstein in der Psychiatrie – weitere Forschung wird zeigen, wohin der Weg führt.