Wir leben in beispiellosen Zeiten. Während die COVID-19-Welle anhält, kämpfen wir mit einem Tsunami psychischer Belastungen. Dies ergibt eine globale Krise, die ich als 'Pandemie im Quadrat' bezeichne.
Was ist die 'Pandemie im Quadrat'?
Als klinischer Neurowissenschaftler und Psychiater habe ich diesen Begriff geprägt, um zu verdeutlichen, wie COVID-19 durch eine Welle psychologischer Probleme wie Angststörungen, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und Suchterkrankungen multipliziert wird.
Ein Artikel in der April-Ausgabe von JAMA Internal Medicine warnte bereits vor einer drohenden psychiatrischen Epidemie. Die Autoren forderten: „Diese Folgen sind von ausreichender Bedeutung, sodass sofortige Bemühungen zur Prävention und Intervention notwendig sind, um die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Individuen und der Bevölkerung zu mindern.“
Jüngste Berichte bestätigen diese Prognose. Eine Umfrage der Kaiser Family Foundation zeigt, dass 56 % der Amerikaner durch pandemiebedingten Stress oder Sorgen beeinträchtigt sind. Während des Lockdowns stiegen die Verschreibungen von Angstlösermedikamenten um 34 % und von Antidepressiva um 19 %. Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2020 mit über 700 COVID-19-Patienten fand bei 96 % PTBS-Symptome. Auch Anrufe bei Suizid-Hotlines sind stark gestiegen.
In den Amen-Kliniken berichten Patienten mit Angststörungen, Depressionen, bipolaren Störungen, PTBS und ähnlichen Erkrankungen von verschlimmerten Symptomen und drängenderem Bedarf an Hilfe.
Was können Sie gegen die 'Pandemie im Quadrat' tun?
Es gibt keine einfachen Lösungen für psychische Probleme. Neben der Stärkung Ihres Immunsystems gegen COVID-19 rate ich dringend, Ihr geistiges Wohlbefinden zu priorisieren.
Mentale Übungen sind individuell. Konzentrieren Sie sich auf positive Gedanken, um Wohlfühl-Neurotransmitter freizusetzen: Starten Sie den Tag mit 'Heute wird ein toller Tag' und reflektieren Sie abends Erfolge.
Pflegen Sie gehirngerechte Gewohnheiten: ausreichend Flüssigkeit, Schlaf, Bewegung und nährstoffreiche Ernährung.
Bearbeiten Sie biologische Risikofaktoren wie Entzündungen mit Ihrem Arzt.
Bei anhaltenden Depressionen oder anderen Symptomen suchen Sie einen Fachmann auf. Bei suizidalen Gedanken rufen Sie die National Suicide Prevention Lifeline unter 1-800-273-8255 an.