Als Experten für psychische Gesundheit erklären wir, wie Sie Kaufsucht bei sich oder anderen frühzeitig erkennen. Wir zeigen bewährte Maßnahmen für Betroffene und Angehörige, basierend auf etablierten Quellen wie dem Österreichischen Gesundheitsportal und ICD-Kriterien.
In einer konsumdominierten Welt verlieren viele die Orientierung – mit Kaufsucht als Folge. Betroffene kaufen weit über ihre Möglichkeiten hinaus, verlieren die Kontrolle über ihren Besitz und meiden Kontoauszüge oder Rechnungen aus Angst. Oft lagern sie ungenutzte Käufe, während Scham zu Lügen gegenüber Angehörigen führt.
- Eine österreichische Umfrage zeigt: 11 % der Befragten sind kaufsüchtig, 24 % in der Risikogruppe. Frauen sind fast doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Woran erkennen Sie Kaufsucht? Und wie gehen Sie vor?
Frühe Anzeichen einer Kaufsucht
Kaufsucht entwickelt sich schleichend wie andere Abhängigkeiten. Das Österreichische Gesundheitsportal nennt folgende Warnsignale, die auch Außenstehende wahrnehmen können:
- Häufiges Shopping als Gewohnheit.
- Hoher Symbolwert materieller Güter.
- Kontrollverlust beim Einkaufen.
- Shoppen als Entspannung oder Belohnung.
- Probleme werden verdrängt.
Der Kern liegt nicht in den Objekten, sondern im Kaufakt selbst. Oft koexistieren Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Sammelzwänge.
Diagnostische Kriterien der Kaufsucht
Internationale Standards im ICD-10 klassifizieren Kaufsucht als Störung der Impulskontrolle. Eine qualifizierte Fachkraft (Psycholog:in, Therapeut:in) stellt die Diagnose:
- Leidensdruck durch zeitintensives Kaufverhalten, das Beruf und Soziales beeinträchtigt.
- Finanzielle Probleme und Anhäufung ungenutzter Käufe.
- Kein Zusammenhang mit Manie oder Hypomanie.
- Zusätzlich: Überschreitung finanzieller Grenzen oder obsessive Beschäftigung mit Kaufen.
Bei Verdacht: Kontaktieren Sie Psychiater:innen, Psychotherapeut:innen oder Psycholog:innen für eine Therapie.
Wie entsteht Kaufsucht?
Das Alltägliche wird zur Sucht durch Belohnungsmechanismen im Gehirn, wie die Apotheken Umschau beschreibt:
- Positive Erlebnisse (z. B. Lob, Einkauf) lösen Dopamin aus – ähnlich wie bei Alkohol oder Drogen.
- Regelmäßige Stimulation verändert das Gehirn, führt zu Verlangen und Entzugserscheinungen.
- Therapie trainiert das Gehirn, Botenstoffe selbstständig zu produzieren.
Maßnahmen für Betroffene
Verdächtigen Sie bei sich Kaufsucht? So gehen Sie vor:
- Seien Sie ehrlich zu sich selbst.
- Suchen Sie professionelle Hilfe – Therapie lehrt Kontrolle trotz gesellschaftlicher Scham.
Zur Vorbeugung:
- Zahlen Sie bar.
- Setzen Sie Ausgabelimits.
- Führen Sie ein Haushaltsbuch.
- Bei Kreditkarten: Sofortabbuchung und Limit senken.
- Prüfen Sie regelmäßig Kontostände.
- Entdecken Sie Minimalismus.
- Austausch durch Hobbys wie Sport oder ehrenamtliches Engagement.
Tipps für Angehörige
Bei Verdacht im Familien- oder Freundeskreis:
- Informieren Sie sich gründlich.
- Sprechen Sie mit neutraler Beratung (z. B. Telefonseelsorge).
- Fordern Sie Transparenz bei Finanzen.
- Achten Sie auf Ihre Grenzen – Sie ersetzen keine Therapie.
- Seien Sie konsequent, vermeiden Sie Co-Abhängigkeit und Leihgaben.