Holunderbeeren genießen einen ausgezeichneten Ruf als Unterstützer des Immunsystems, besonders in der Erkältungs- und Grippesaison. Angesichts der COVID-19-Pandemie sind jedoch widersprüchliche Meinungen entstanden.
Um die Vorteile und Risiken von Holunderbeeren fundiert zu beleuchten, haben wir mit Fachärzten für integrative Medizin und Immunologinnen gesprochen. Hier ihre Einschätzungen zur Wirkung auf Viren und mehr.
Was sind Holunderbeeren?
Die Holunderfrucht (Sambucus nigra) ist in Nordamerika und Europa heimisch und wird seit Jahrhunderten in der Medizin eingesetzt, erklärt Alejandra Carrasco, M.D., Fachärztin für integrative Medizin.
Traditionell halfen Holunderblüten und -blätter gegen Entzündungen, Schmerzen und Schwellungen. Heute findet man die Beeren meist als Nahrungsergänzungsmittel, Sirup oder Tee – ideal zur Stärkung des Immunsystems und Linderung von Erkältungs- und Grippesymptomen.
Gesundheitliche Vorteile von Holunderbeeren
1. Unterstützt bei Erkältungs- und Grippesymptomen
Holunderbeeren werden in der Erkältungszeit häufig empfohlen. Carrasco betont: Flüssiger Extrakt der Beere hemmt pathogene Bakterien, Grippe- und Erkältungsviren.
Eine Studie im Journal of Functional Food untersuchte das Influenzavirus in vitro und fand: „Holunderbeerenextrakt zeigte eine milde Hemmwirkung in frühen Stadien des Viruszyklus, mit stärkerer Wirkung post-infektiös.“
„Holunderbeeren sind reich an Antioxidantien, die ein starkes Immunsystem fördern – besonders gegen Viren“, sagt Tiffany Lester, M.D., Fachärztin für funktionelle Medizin, gegenüber mbg.
2. Reich an Nährstoffen
Holunderbeeren liefern wertvolle Vitamine und Mineralien. Eine Tasse roher Beeren enthält etwa:
- Kalorien: 100
- Faser: 10,2 g
- Magnesium: 7,25 mg
- Phosphor: 56,6 mg
- Kalium: 406 mg
- Vitamin C: 52,2
3. Hoher Gehalt an Antioxidantien
„Holunderbeeren enthalten Flavonoide, Proanthocyanidine, Anthocyane und Phenolsäuren, die vor oxidativem Stress durch reaktive Sauerstoffspezies (ROS) schützen“, erläutert Carrasco. Übermäßiges ROS fördert chronische und neurodegenerative Erkrankungen – Antioxidantien können das Risiko mindern.
Holunder ersetzt keine Medikamente. Konsultieren Sie vor der Einnahme immer einen Arzt.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
1. Potenziell toxische Stoffe
Rinde, Blätter und Wurzeln der Holunderpflanze bergen Sambunigrin, das Cyanid freisetzen kann, warnt Carrasco. Reife, gekochte Beeren sind sicher. „Beim Selbermachen: Beeren gründlich kochen!“
2. Hoher Zuckergehalt
In Gummibärchen oder Sirup achten Sie auf Zucker: „Zucker wirkt entzündlich. Wählen Sie Produkte mit geringstem Zuckergehalt“, rät Lester.
3. Vorsicht bei COVID-19
Holunder stimuliert entzündliche Zytokine – hilfreich bei Erkältungen, riskant bei COVID-19. „Das kann zu einem Zytokinsturm führen, der selten, aber tödlich ist“, warnt Heather Moday, M.D., integrative Immunologin.
Forschung läuft noch; kein Beweis für Zytokinstürme bei allen Patienten. Bei COVID-Symptomen: Alternativen wie Vitamin C, D, Quercetin, Glutathion und Zink wählen, empfiehlt Lester.
Fazit
Holunderbeeren sind eine sichere Ergänzung für Nährstoffe, Antioxidantien und Schutz vor Erkältungen. Bei positivem COVID-Test oder Symptomen: Vermeiden, rät Moday – zur Sicherheit.