Laut dem renommierten EAT-Lancet-Bericht von 2019 bedroht das globale Ernährungssystem die menschliche Gesundheit und die Umweltstabilität. Um diese Herausforderungen zu meistern, haben die Autoren eine „universelle gesunde Referenzdiät“ entwickelt, die bis 2050 bis zu 10 Milliarden Menschen versorgen könnte – ohne den Planeten zu schädigen.
Was ist die universelle gesunde Referenzdiät?
Diese empfohlene Ernährung basiert auf reichlich Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen bei geringem Verzehr von rotem Fleisch, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Der EAT-Lancet-Bericht betont, dass Anpassungen in Landwirtschaft, Bodennutzung, Lieferketten, Lebensmittelumfeld und Energiewende essenziell sind.
Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Nature Food plädiert jedoch für einen umfassenderen Ansatz, um langfristige Veränderungen zu sichern.
Was stimmt mit dem aktuellen Ernährungssystem nicht?
Der EAT-Lancet-Bericht fasst es prägnant zusammen: „Die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit gesunder Ernährung aus nachhaltigen Systemen ist eine drängende Herausforderung.“ Obwohl die Kalorienproduktion mitwächst, leiden 820 Millionen Menschen an Unterernährung durch fehlenden Zugang oder Armut. Mangelernährung führt zu Mikronährstoffmängeln, Fettleibigkeit, Herzkrankheiten, Schlaganfällen, Diabetes und höherem Sterberisiko. Gleichzeitig überschreiten landwirtschaftliche Systeme planetare Grenzen – ein Aufruf zur globalen Transformation.
Welche Änderungen sind notwendig?
Die Umsetzung erfordert interdisziplinäre Forschung jenseits technologischer Innovationen, wie Leitautor Christophe Béné, Ph.D., im Nature Food-Artikel betont: „Es gibt knifflige, herausfordernde Veränderungen in Wirtschaft, Politik, Kultur, Gerechtigkeit und Governance.“ Die Studie identifiziert Probleme und Lösungen pro Sektor:
1. Wirtschaft
Gesunde Ernährung ist oft teurer; 1,6 Milliarden Menschen könnten die EAT-Lancet-Diät nicht finanzieren. Kosten für Systemumstellungen wie Abfallreduktion sind unklar.
Mögliche Maßnahmen:
- Rabatte auf Obst und Gemüse für einkommensschwache Haushalte.
- Landrechte sichern, die lokale Bevölkerung und Umwelt schützen.
2. Politik
Das industrielle System muss umgekrempelt werden, um gesunde Produktion zu priorisieren und Unterernährung sowie Fettleibigkeit zu bekämpfen.
Mögliche Maßnahmen:
- Unterstützung für kleine Landwirte bei gesunder Produktion.
- Mehr Förderung für Forschung zu alternativen Nahrungsmitteln.
3. Kulturelle Normen
Pflanzliche Lebensmittel wie Bohnen oder Hirse gelten oft als „Armeleute-Essen“, Fleischkonsum als Statussymbol. Ungesunde Produkte dominieren durch Verfügbarkeit und Marketing.
Mögliche Maßnahmen:
- Vielfältigeres Angebot an Obst und Gemüse in Supermärkten.
- Nährwertkennzeichnungen auf Verpackungen einführen.
4. Gerechtigkeit
Die EAT-Lancet-Diät empfiehlt 50 % weniger rotes Fleisch, doch tierische Proteine sind für vulnerables Gruppen wie Frauen und Kinder in armen Regionen wichtig. Anpassungen an lokale Kontexte sind essenziell; soziale Ungerechtigkeiten wie Ausbeutung müssen adressiert werden.
Mögliche Maßnahmen:
- Vollständige Lieferketten-Transparenz für bessere Arbeitsbedingungen.
- Gesetze zum Schutz vulnerabler Gruppen und nachhaltiger Systeme.
- Rechte auf Nahrung und faire Bedingungen stärken.
5. Governance
Aufklärung von Bürgern und Politikern ist Schlüssel, priorisiert mit Themen wie Armut oder Pandemien.
Mögliche Maßnahmen:
- Prioritäten managen und Szenarien für Entscheidungen modellieren.
Fazit
„Der EAT-Lancet-Bericht hat brillant die Verknüpfung von Gesundheit und Umwelt beleuchtet – Ernährung als Schlüssel“, resümiert die Studie. Die fünf Sektoren bieten konkrete Schritte zu einer global nachhaltigen Ernährungsumstellung.