„Ich werde schlafen, wenn ich tot bin“ – dieses Motto prägte die hektische US-Arbeitskultur. Schlaf zu opfern für 60- bis 80-Stunden-Wochen gilt noch immer als Ehrenabzeichen, und viele prahlen offen mit ihrem Schlafmangel.
Eine kürzlich im Journal of the Association for Consumer Research veröffentlichte Studie zeigt: Dieser Trend hängt eng mit Männlichkeitsbildern zusammen. Forscher stellten fest, dass viel Schlaf als unmännlich gilt, während Schlafmangel als typisch männlich wahrgenommen wird.
Das ungesunde Stereotyp: Männliche Männer brauchen keinen Schlaf
Die Wissenschaftler führten Experimente mit Hunderten Teilnehmern durch, um den Link zwischen Schlaf und Männlichkeit zu beleuchten. In einer Umfrage mit 144 Personen wirkten Männer, die wenig Schlaf zugaben, deutlich männlicher als die mit viel Schlaf. Bei 385 Befragten wurden schlafmangelnde „männliche“ Typen positiver beschrieben als schlafende „unmännliche“.
Die Wahrnehmung ging bidirektional: Schlafmangel signalisiert Männlichkeit – und männliche Männer schlafen angeblich weniger.
Weitere Tests ergaben: Schlafmangelnde Männer gelten als agentischer – durchsetzungsstärker, zielorientierter und erfolgreicher. Gut schlafende wurden negativ bewertet und als unmännlich abgestempelt.
Selbst Männer unterwarfen sich diesem Klischee. 165 Befragte fühlten sich weniger männlich, wenn sie sich vorstellten, mehr als Durchschnitt zu schlafen.
Woher stammt dieses Klischee?
Schlaf als unmännlich zu sehen, passt zu einem breiteren Muster, bei dem Männer Gesundheitsthemen meiden, erklären die Studienautoren Nathan Warren, M.S., M.A., und Troy Campbell, Ph.D. Traditionelle Männlichkeit steht für Stärke, Stoizismus und Ablehnung „weiblicher“ Pflege.
„Männer ziehen es oft vor, ‚durchzuhalten‘ und Gesundheitswesen zu meiden, das als weiblich assoziiert wird“, schreiben Warren und Campbell. „Trotz gesundheitlicher Risiken demonstriert das stoische Zähigkeit – stereotyp männliche Eigenschaften wie Stärke, Unabhängigkeit und Belastbarkeit.“
Ungesunde Gewohnheiten werden so mit Männlichkeit verknüpft. Frühere Forschungen von Will Courtenay, Ph.D., zeigen Ähnliches: Prahlerei mit Arztbesuchs-Abstinenz unterstreicht Härte.
„Wenig Schlaf dient als Geschlechter-Symbol“, betonen Warren und Campbell. „Wer gegen Männlichkeitsnormen verstößt, riskiert Spott als ‚kein echter Mann‘.“
Männlichkeit neu denken
Diese Studie unterstreicht die Gefahren von Geschlechterstereotypen. Schlafmangel schwächt das Immunsystem und erhöht Risiken für Herzkrankheiten, Diabetes, Fettleibigkeit und mehr. Männer mit Schlafdefizit neigen zudem zu Aggression und Gewalt, wie weitere Forschung belegt.
Männer müssen sich nicht selbst schaden, um männlich zu wirken. Aushalten bis zum Kollaps ist weder lobenswert noch produktiv – Pausen und Schlaf sind Schlüssel gegen Burnout.
Gute Nachrichten: Stereotype verblassen. „Indem die Gesellschaft traditionelle Männlichkeit hinterfragt, könnte Schlaf positiv besetzt werden“, hoffen Warren und Campbell. Alle profitieren von gesunden 8 Stunden.
Hören wir auf, Schlafmangel zu feiern – besonders bei Männern – und feiern stattdessen erholsame Nächte.