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Hate Watching: Warum wir es tun – und warum es schaden kann

Beim „Hate Watching“ schauen wir Serien oder Filme, die wir eigentlich nicht mögen. Wir erklären dir, warum uns das so ein gutes Gefühl gibt – und welche Risiken es gleichzeitig birgt.

Mit „Hate Watching“ (etwa „hasserfülltes Schauen“) ist das Phänomen gemeint, Serien oder Filme zu schauen, die man eigentlich nicht mag. Laut der Definition im Merriam-Webster-Wörterbuch bedeutet Hate Watching, eine ungeliebte Serie oder einen schlechten Film zu schauen und Freude dabei zu empfinden. Der Reiz besteht zum Beispiel darin, klischeehafte Figuren zu kritisieren oder sich darüber lustig zu machen.

Hate Watching besteht also einerseits aus Verachtung für eine Serie oder einen Film, andererseits aus Faszination und Genuss, die Zuschauer:innen dabei empfinden, etwas „aus der Ferne“ hassen zu können.

Hate Watching: Darum tun wir es

Vielleicht hast auch du dich schon einmal beim Hate Watching erwischt. Aber warum gibt es uns eigentlich so ein gutes Gefühl, Dinge zu schauen, die wir in Wirklichkeit hassen? Die Psychologin JR Ilagan nennt gegenüber dem US-amerikanischen Magazin „Vice“ drei wesentliche Gründe:

  • Gutes Gefühl durch starke Emotionen: Neben Liebe und Genuss kann auch Hass starke Emotionen auslösen. Bei diesem Prozess kommt es zu einer Absonderung von Neurotransmittern, wie Dopamin oder Serotonin, die uns, Studien zufolge, ein positives Gefühl geben.
  • Vergleich mit anderen: Wir Menschen neigen schnell dazu, uns mit anderen zu vergleichen. Sehen wir im Fernsehen zum Beispiel Menschen, denen es schlechter geht als uns, fühlen wir uns oft gleich besser.
  • Hass als soziale Verbindung: Der gemeinsame Hass gegenüber einer bestimmten Serie, einem Film oder einer einzelnen Figur kann verbinden. Eine Studie der University of Louisiana at Lafayette“ unterstreicht den Wunsch nach sozialer Verbundenheit als möglichen Grund für das Hate Watching. So tauschen sich Gleichgesinnte in Social-Media-Kommentaren über ihren Ärger aus oder tun es bei einem Treffen mit Freund:innnen im realen Leben.

Risiken von „Hate Watching“

Hate Watching mag zunächst unterhaltsam wirken, gerade wenn du dich mit Freund:innen und Gleichgesinnten zusammentust und dich darüber austauschen kannst. Doch aus einem Spaß kann Ernst werden, wenn Hate Watching zu einer Art Sucht wird. Diese Aktivität lebt davon, dass du über andere Menschen urteilst oder sie gar verurteilst. Um dies zu vermeiden, lohnt es sich, wenn du dich dem Digital Detox zuwendest und eine Zeit lang bewusst auf die sozialen Medien und das Fernsehen verzichtest.

Dabei besteht die Gefahr, dass wir dieses Verhaltensmuster auch in unser soziales Leben übernehmen. Oder dass wir klischeehafte, zum Teil auch verletzende, Stereotypen gegenüber anderen Menschen aus Filmen oder Serien übernehmen, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Dies legt auch eine Studie der „Ungarischen Akademie der Wissenschaften“ nahe. Dabei hast du es gar nicht nötig, andere zu erniedrigen, um dich selbst besser zu fühlen. Eine gesunde Selbstliebe kannst du stattdessen durch Praktiken, wie Yoga oder Achtsamkeitsübungen, erlernen.

Möglicherweise ziehst du dich dabei immer mehr aus dem wahren Leben in die virtuelle Welt zurück, die von Hass und negativen Gefühlen begleitet wird. Du wirst süchtig nach dem Spott, der dir so ein gutes Gefühl vermittelt. Bedenke dabei: Wenn du andere verurteilst, verletzt du nicht nur die Menschen um dich herum, sondern gefährdest unter Umständen auch deine eigene Gesundheit, wie Studien zeigen. Statt dich also dem Hate Watching hinzugeben, solltest du dich lieber positiven Dingen, wie einem ausgiebigen Waldspaziergang oder einem Treffen mit Freunden zuwenden. Ein Glückstagebuch kann dir zusätzlich helfen, den Fokus auf die positiven Erlebnisse im Alltag zu lenken.