Viele Frauen und Mädchen erleben Catcalling – oft regelmäßig. Als erfahrene Beraterinnen aus Frauennotrufen und Fachstellen teilen wir bewährte Tipps, um sich gegen diese verbale sexuelle Belästigung zu wehren.
„Catcalling“ klingt harmlos, ist es jedoch keinesfalls: Es handelt sich um aufdringliche, sexuelle Kommentare im öffentlichen Raum. Typische Formen sind:
- Hinterherpfeifen oder -johlen
- Aussehen bezogene „Komplimente“ wie „Geiler Arsch!“
- Implizite oder explizite Aufforderungen zum Sex, z. B. „Wie viel kostest du?“ oder „Heute schon was vor?“
- Übergriffige Kommentare wie „Lächle doch mal!“
Laut einer Studie des Familienministeriums haben 44 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer sexuelle Belästigung erlebt. Bei Frauen geschieht dies hauptsächlich durch Unbekannte in der Öffentlichkeit, bei Männern oft am Arbeitsplatz. Catcalling trifft vor allem Frauen.
Wussten Sie schon? In Deutschland ist verbale sexuelle Belästigung kein Straftatbestand, es sei denn, sie erfüllt den Tatbestand der Beleidigung. In Frankreich wird Catcalling seit 2018 mit Bußgeldern bis 1.500 Euro geahndet. In Deutschland unterstützten 2023 über 69.000 Menschen eine Petition zur Strafverfolgung.
Catcalling ist keine Aufmerksamkeit – und Sie sind nicht schuld
Bevor wir zu konkreten Strategien kommen, einige grundlegende Erkenntnisse aus unserer Beratungspraxis:
- Sie bestimmen, was für Sie Catcalling ist. Es gibt kein „zu sensibel“ – Ihr Gefühl zählt.
- Die Schuld liegt nie bei Ihnen. Wie Etta Hallenga von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf betont, suchen Betroffene oft den Fehler bei sich: „Habe ich falsch gekleidet?“ Doch Catcalling ist Machtdemonstration, kein echtes Interesse.
- Jede Reaktion ist richtig. Situationen und Menschen sind einzigartig – vertrauen Sie Ihrem Instinkt.
Effektive Strategien gegen Catcalling
Aus der Praxis von Etta Hallenga und dem Frauennotruf München:
- Die Belästigung ignorieren – einfach, aber manchmal frustrierend.
- Zurückpfeifen bei Pfeifkonzerten: Das überrascht und stärkt durch die eigene Stimme.
- Klar und direkt sagen: „Hör auf!“ – Vermeiden Sie Fragen wie „Was soll das?“, die Gespräche einladen könnten.
- Bei Gruppen: Eine Person direkt ansprechen, um Unsicherheit zu erzeugen.
In belebten Bereichen fällt Konfrontation leichter. Fühlen Sie sich bedroht, rufen Sie die Polizei – Sicherheit geht vor.
Praktischer Tipp: Melden Sie Catcalling an lokale Instagram-Accounts wie „catcallsofmuc“ in München. Aktivist:innen chalken es an Ort und Stelle und teilen Fotos öffentlich.
Als Zeug:in eingreifen
Beobachten Sie Catcalling? Handeln Sie! Der Frauennotruf München rät: Nennen Sie es laut, z. B. „Das ist übergriffig!“. Sprechen Sie Zeug:innen an: „Was sagen Sie dazu?“ – ohne Täter:innen direkt zu konfrontieren.
Sicher heimkommen
Nachts allein unterwegs und verfolgt? Tun Sie so, als telefonierten Sie und nennen Sie Ihren Standort. Nutzen Sie den Heimwegtelefon-Dienst (030 12074182) für Begleitung bis zur Haustür – inklusive Polizeikontakt im Notfall.