Kamillenöl zählt zu den mächtigsten ätherischen Ölen dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften. Als erfahrene Kräuterexperten erklären wir die Wirkung und optimale Anwendungen basierend auf traditionellem Wissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
So entsteht hochwertiges Kamillenöl
Die heilende Kraft der Kamille ist seit Jahrhunderten bekannt. Es gibt drei Hauptarten von Kamille:
- die Echte Kamille (auch Deutsche Kamille)
- die Marokkanische Kamille (Wilde Kamille)
- die Römische Kamille
Neben Kamillentee ist Kamillenöl weit verbreitet und vielseitig einsetzbar. Das Öl der Echten Kamille wird aus den Blüten gewonnen. Der Ölgehalt ist kurz vor der Blüte am höchsten, daher erntet man in April und Mai. Nach dem Trocknen extrahiert man mit Alkohol, Wasser, Erdnussöl oder Isopropanol. Im Destillationsprozess entsteht Chamazulen, das dem Öl seine charakteristische blaue Farbe verleiht – daher der Handelsname „Blaue Kamille“.
Die Inhaltsstoffe variieren je nach Sorte und Anbauort. Wichtige Komponenten sind:
- 0 bis 50 Prozent Bisaboloide
- 20 bis 30 Prozent Spiroether
- 2 bis 18 Prozent Azulene
- 1 Prozent Spathulenol
Die bewährte Wirkung von Kamillenöl
Obwohl klinische Studien begrenzt sind – wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet – wird Kamillenöl traditionell für folgende Eigenschaften geschätzt:
- entzündungshemmend
- wundheilend
- antibakteriell
- krampflösend
Praktische Anwendungen von Kamillenöl
Kamillenöl eignet sich bei diversen Beschwerden:
1. Bei Erkältungen inhalieren oder als Gesichtsdampfbad gegen Akne:
- Füllen Sie eine Schüssel mit dampfendem Wasser und 5 Tropfen Kamillenöl. Beugen Sie das Gesicht für 5 Minuten darüber, Kopf mit Handtuch abdecken.
2. Als warme oder kalte Kompresse bei Akne, Neurodermitis, Wunden, Muskelentzündungen oder Blasenentzündung:
- Geben Sie 5 Tropfen in eine Schüssel mit warmem oder kaltem Wasser. Tunken Sie ein Tuch ein, wringen Sie aus und legen Sie es auf die Stelle.
- Kalte Kompresse: Bis zur Körpertemperatur.
- Warmer Kompresse: Bis abgekühlt.
3. Als Massageöl bei Blähungen, Menstruationsbeschwerden, Akne, Verspannungen, Verdauungsproblemen oder Nervosität:
- Mischen Sie 20 Tropfen mit 100 ml Trägeröl wie Mandel- oder Jojobaöl.
- Alternativ: Vollbad mit 2 EL Honig als Emulgator und 5 Tropfen Kamillenöl.
Wichtige Hinweise zur sicheren Nutzung
Kamillenöl gibt es in Apotheken, Reformhäusern oder online. Beachten Sie:
- Wie alle ätherischen Öle hautreizend – für empfindliche Haut verdünnen.
- Bei Allergie gegen Korbblütler meiden.
- Kaufen Sie 100% reines Öl, vorzugsweise aus heimischem Anbau. Aus heißen Regionen oft wirkstoffarm.
Kamillenöl selbst herstellen: Ein Ölauszug
Echtes ätherisches Öl ist zu Hause nicht machbar, aber ein Ölauszug gelingt leicht:
Kalter Ölauszug aus Kamillenblüten:
- Sammeln und trocknen Sie Blüten (mehrere Tage/Wochen).
- Füllen Sie getrocknete Blüten in ein Schraubglas.
- Übergießen Sie mit Sonnenblumen- oder Rapsöl, bis bedeckt.
- Fest verschließen und schütteln.
- 5–6 Wochen an warmem Ort ziehen lassen, täglich schütteln.
- Abseihen durch Kaffeefilter in Flasche.
Fertig! Ideal als Massageöl oder Badezusatz. Nicht steril – offene Wunden und Augen meiden.