Ein entspannendes Bad in der Wanne bietet weit mehr als nur Stressabbau. Heiße Bäder werden mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen assoziiert, darunter die Linderung von Muskelverspannungen, besseren Schlaf, gesteigerte Stimmung und sogar Kalorienverbrennung. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass sie Entzündungsmarker senken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindern können.
In einer kleinen Studie, veröffentlicht in Physiological Reports, tauchten Teilnehmer 60 Minuten lang bis zum Hals in heißes Wasser ein. Die Ergebnisse zeigten Anstiege von Adrenalin, Stresshormonen und Glukosekonzentrationen – vergleichbar mit einer intensiven Trainingseinheit.
HEISSE BÄDER VERSUS ÜBUNG
"Nüchternglukose gibt einen Hinweis darauf, wie effektiv der Körper Zucker verarbeitet. Bewegung senkt diesen Wert effektiv – wir wollten prüfen, ob heißes Baden ähnlich wirkt", erklärt Mitautor Christof Leicht, PhD, Dozent für Bewegungsphysiologie an der Loughborough University im Vereinigten Königreich. "Die Glukoseanstiege nach dem Baden ähneln denen aus Trainingsstudien."
Diese Forschung knüpft an frühere Studien an, die heiße Bäder mit Vorteilen für die Herzgesundheit verknüpfen. Bei sitzenden, übergewichtigen Erwachsenen führte eine 10 einstündige Sitzungen über zwei Wochen zu niedrigerem Blutdruck und reduzierten Entzündungen, die Herzkrankheiten begünstigen, wie eine Studie von 2018 zeigte. Eine 2016er Untersuchung bestätigte bessere Durchblutung und Gefäßfunktion.
Eine große japanische Studie mit 873 Erwachsenen (60–76 Jahre) ergab: Wer sich fünfmal wöchentlich mindestens 12 Minuten in Wasser über 40,5 °C (105 °F) badete, hatte ein geringeres Risiko für Arteriosklerose. Die Forscher bezeichneten es als "nützliche Lebensstilmaßnahme zur Erhaltung der Herz-Kreislauf-Funktion".
Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt.
Leicht vermutet, dass der Hormonanstieg Entzündungsprozesse aktiviert, das Immunsystem stimuliert und das Herz-Kreislauf-System ähnlich wie beim Sport belastet. Zudem reguliert der Körper die Temperatur, indem Gefäße Blut zur Haut leiten – was den Blutfluss steigert und die Haut rosig färbt. Dies fördert langfristig die Gefäßgesundheit.
ZU GUT, UM WAHR ZU SEIN?
Heiße Bäder wirken wie eine entspannte Herztherapie, doch Leicht warnt: Die Temperaturen müssen hoch sein (mindestens 39 °C/102 °F) und die Dauer bis zu einer Stunde betragen.
"Am Anfang angenehm, am Ende ein Kampf für die meisten", gibt er zu.
Es fühlt sich ähnlich an wie das Ende eines harten einstündigen Workouts – und genau das ist der Effekt.
DAS ERGEBNIS
Heiße Bäder ersetzen keine herzgesunden Gewohnheiten wie Gewichtskontrolle, Reduktion von Zucker und Salz, Sport oder guten Schlaf. Leicht rät nicht, das Fitnessstudio gegen Badezeit einzutauschen. Für Menschen mit Behinderungen oder Verletzungen, die nicht trainieren können, ist es jedoch eine wertvolle Option zur Herzstärkung – plus allen weiteren Bad-Vorteilen.
"Es verbessert die Fitness nicht wie Sport", betont Leicht. "Probieren Sie 1–2 heiße Bäder oder Saunabesuche pro Woche: Sie entspannen, fördern Schlaf und mentale Gesundheit."