Als zertifizierte Yogalehrerin mit Jahren Praxis weiß ich: Yoga ist ein starkes Gegenmittel gegen Stress und Angst. Es erdet uns im Hier und Jetzt. Durch Achtsamkeit und Präsenz auf der Matte schalten wir das endlose mentale Geschwätz aus, das um unsere Aufmerksamkeit buhlt. Kurz gesagt: Yoga beruhigt den Geist.
Unser "Affenverstand" zerrt uns ständig in die Vergangenheit – etwa Sorgen um eine E-Mail vom Chef oder eine alte Beziehung – oder in die Zukunft, wie Stress vor einer Präsentation oder dem Abendessen. Präsenz auf der Matte schenkt uns eine Pause von dieser mentalen Last und innere Ruhe.
Meist erreiche ich Präsenz, indem ich mich auf Atmung, Ausrichtung in jeder Asana und körperliche Empfindungen konzentriere.
Dringen Gedanken trotzdem ein? Klar.
Letzte Woche habe ich meine Gedanken direkt nach dem Üben notiert – ein aufschlussreiches Experiment. Es zeigte: Mein Ego ist lebendig, und ein innerer Kritiker lauert, der mich manchmal ausbremst.
Hier ein Einblick ...
MONTAG AUF MEINER MATTE
Kurz vor Unterrichtsstart: „Ich bin so müde. Hoffentlich fangen wir liegend an.“
1 Minute: „Verdammt, sitzend.“
15 Minuten: „Warum fühlt sich mein Körper so steif an?“
30 Minuten: „Frustriert, dass er nicht mitmacht.“
45 Minuten: „Sei geduldig – nach der Knie-OP vor anderthalb Monaten heilt er noch.“
60 Minuten: „Denken die anderen, ich bin faul, wenn ich früh Savasana mache?“
63 Minuten: „zzzzz…“
DIENSTAG AUF MEINER MATTE
5 Minuten: „Hoffe, ich fühle mich stärker als gestern.“
30 Minuten: „Rock on! Handstand geknackt, Klasse zerquetscht!“
60 Minuten: „Ego-Check: Yoga ist kein Wettkampf – weder mit anderen noch mit dir.“
75 Minuten: „Freue mich auf zu Hause und die Hunde.“
MITTWOCH AUF MEINER MATTE
Ruhetag für den Körper. Kurz gezweifelt: Faul oder Selbstfürsorge? Letzteres.

DONNERSTAG AUF MEINER MATTE
5 Minuten: „Dieser Kurs wird nichts.“
20 Minuten: „Seltsame Sequenz – erfindet der Lehrer das?“
35 Minuten: „Der hat keine Ahnung.“
45 Minuten: „Wünschte, ich hätte Noise-Cancelling-Kopfhörer. Diese Playlist!“
46 Minuten: „Wer ist dieses innere Arschloch? Warum so kritisch?“
60 Minuten: „Check: Urteile kommen von mir. Demütig lernen, atmen.“
70 Minuten: „Hoffe, kein Kopfmassage in Savasana – schweißige Hände, kein Desinfektionsmittel.“
71 Minuten: „Ugh, er tut’s. Friedlich aussehen.“
72 Minuten: „Ergebe mich – inneres Arschloch rules today.“
FREITAG AUF MEINER MATTE
5 Minuten: „Einatmen, ausatmen.“
15 Minuten: „Wo mehr Raum im Körper schaffen?“
45 Minuten: „Diese Pose fühlt sich himmlisch an. Weiter atmen.“
75 Minuten: „So dankbar für diese Praxis.“
Fazit? Präsenz ist Übungssache. Gedanken sickern ein – unser Gehirn ist so verdrahtet.
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Werde Beobachter deiner Gedanken. Merke, wenn sie dich wegreißen, kehre bewusst zurück. Launische Tage passieren – dann hilft: Urteile über andere sind oft Spiegel unserer Selbstkritik. Das weckt Mitgefühl. Und letztlich: Erscheinen auf der Matte reicht immer.
So übe ich Präsenz – jeder Tag anders. Wie schaffst du es?