Im Fitnessstudio oder auf dem Trail haben Sie sicher Kompressionsstrümpfe, -hosen oder -ärmel gesehen. Aber liefern diese hautengen Kleidungsstücke wirklich messbare Vorteile?
Mein Interesse wuchs vor zwei Jahren bei der Vorbereitung auf einen 10-km-Schlammlauf. Nach einer Wadezerrung durch einen Knöchelverstauchung testete ich Wadenstulpen. Sie stützten die Muskulatur – Gastrocnemius, Soleus, Peroneus longus und Tibialis posterior – die beim Laufen stark belastet werden, besonders bei steigendem Trainingsvolumen. Mit den Stulpen wärmten sich die Muskeln schneller auf, wirkten elastischer und besser gestützt. War das nur Placebo oder steckt mehr dahinter? Ich tauchte in die Forschung ein.
Zahlreiche Studien zu Läufern, Gewichthebern, Fußball- und Rugbyspielern zeigen leichte Leistungssteigerungen beim Tragen von Kompressionskleidung. Überraschend: Der größerste Nutzen entfaltet sich nach dem Training – sogar über Nacht.
Im Journal of Strength and Conditioning Research untersuchten Forscher die Erholung nach hochintensiven Läufen. Probanden trugen nach dem Training entweder spezielle Kompressionskleidung oder ein Placebo. Die Kompressionsgruppe erzielte am nächsten Tag bessere Laufzeiten. Bei Gruppenwechsel dasselbe Ergebnis. (Hamlin 2012) Ideal für mehrtägige Events wie Turniere.
Wie genau sie wirkt, ist nicht endgüllig geklärt, doch Studien belegen Vorteile. Theorien: Der Druck reduziert venöse Stauungen, fördert arteriellen Fluss, entfernt Stoffwechselabfälle und transportiert Sauerstoff. Zudem steigt die Hauttemperatur, was die Sauerstoffdiffusion zu den Muskeln verbessert.
Bei meiner Verletzung halfen 2XU-Wadenstulpen (aus dem lokalen Laufshop) sicher durch bessere Durchblutung via Wärme. Egal welche Theorie siegt: Die Evidenz ist klar – Kompressionskleidung boostet Leistung und Erholung.
Referenz
Hamlin, M. et al. (2012). Wirkung von Kompressionsbekleidung auf die kurzfristige Wiederherstellung der wiederholten Sprint- und 3-km-Laufleistung bei Rugby-Union-Spielern. Das Journal of Strength and Conditioning Research, 26, 11, 2975–2982.