Achtstündige Trauerrituale, Gespräche zu Entscheidungen am Lebensende, geplante Abschiede, Hausmassagen bei Hospizpatienten und Reiki-Sitzungen mit Trauernden. Dazu Tanzen, Schreiben, Meditation, Abendessen mit Freunden und Wandern – eine typische Woche für mich als erfahrene Masseurin und Todesdoula.
Mein Beruf als Masseurin für Sterbende und Trauernde ist unglaublich bereichernd. Als Todesdoula begleite ich Menschen, die den Death With Dignity Act in Oregon nutzen. Ich schaffe Raum für den natürlichen Sterbeprozess und unterstütze Familienmitglieder liebevoll durch alle Phasen.
Warum habe ich diesen Weg gewählt?
Ich tauche in die Tiefen der Trauer ein, die wir oft meiden. Gleichzeitig erlebe ich die reinsten Momente von Mitgefühl und tiefer Liebe.
Als Beobachterin dualer Wahrheiten erkenne ich: Ohne Schmerz keine Freude, ohne Verlust keine volle Liebe.
„Du bist so fröhlich – warum arbeitest du mit Sterbenden?“, fragte meine Mutter am Telefon.
Mein Vater ist offener, würde mich aber wohl nicht seinen Körper waschen lassen. Er bevorzugt Profis – doch ich hoffe weiter.
„Betreust du auch Nicht-Sterbende?“ Die Antwort: Nein. Nicht aus Mangel an Mitgefühl, sondern weil wir alle sterblich sind.
Die Begleitung Sterbender vertieft mein Verständnis der eigenen Sterblichkeit. Meditationsthemen wie diese werden durch meine Praxis lebendig:
1. Liebe und Verlust sind untrennbar.
Schönheit und Tragödie nähren sich gegenseitig. Bei einer Klientin finde ich ein Haus voller Familie. Kaffee oder Bier werden angeboten, während sie seit Tagen nichts isst. Reiki am Bett, gegenüber einem Harfenspieler, umgeben von 13 Angehörigen. Die Sonne beleuchtet ihr friedliches Gesicht vor blühenden Kirschbäumen. Tränen, Umarmungen, Chaos – pure Magie des Lebens und Sterbens.
2. Selbstfürsorge ist Schlüssel, um andere zu halten.
Meine Stärke im Helfen spiegelt meine Fähigkeit wider, Hilfe anzunehmen. Es erfordert Verletzlichkeit. Indem ich meine Ängste und Schwächen annehme, unterstütze ich Klienten authentischer.
3. Alles ist vergänglich.
Als Buddhistin lebe ich die Vergänglichkeit. Bei geplanten Abschieden unterstütze ich Klient und Familie, dann wandere ich zur Selbstreflexion. Jede Voicemail meines Vaters erinnert: Das könnte die letzte sein. So schätze ich kleine Momente intensiv.
4. Zeuge sein verleiht Kraft.
Als Außenstehende sehe ich Menschen so, wie sie jetzt sind – ohne Vorurteile. Das hilft mir, im Alltag Freunde und Familie voll anzuerkennen.
Das Wichtigste: Die Fülle des Menschseins erleben.
Arbeit mit Sterbenden zeigt Resilienz, Schönheit und Stärke. Sie lädt uns ein, voneinander zu lernen, Geschichten zu teilen und die Menschheit in all ihren Facetten zu ehren.