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Biozide: In diesen Alltagsprodukten können sie sich verstecken

Biozide sollen Schädlinge fernhalten und kommen in verschiedenen Bereichen unseres Alltags zum Einsatz. Wir klären auf, wie bedenklich Stoffe wie Silberchlorid oder Zinkpyrithion sind und in welchen Produkten sie stecken.

Biozide sind Substanzen, die Schädlinge (wie Ratten, Mäuse, Insekten) oder Algen, Pilze und Bakterien bekämpfen sollen. Dazu gehören zum Beispiel Desinfektionsmittel, Schutzmittel für bestimmte Materialien oder Gifte gegen spezifische Tiere. Ihr Hauptzweck ist es, die Gesundheit des Menschen zu schützen. Dies unterscheidet sie von Pestiziden, die vor allem Pflanzen vor Schädlingen bewahren sollen. Trotzdem sind Biozide auch teilweise Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln. 

Mit den Substanzen behandelte Waren unterscheiden sich darin, ob sie eine primäre Biozidfunktion haben oder nicht. Waren mit primärer Biozidfunktion sollen in erster Linie vor schädlichen Stoffen schützen, wie dies zum Beispiel bei einem antibakteriellen Tuch der Fall ist. Waren ohne primäre Biozidfunktion enthalten Biozide nur als Hilfs- oder Zusatzstoff. Ihr Hauptzweck ist jedoch nicht biozider Art. Für Verbraucher:innen ist es dabei oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass ein Produkt Biozide enthält.

Sind Biozide gefährlich?

Biozide sollen schädliche Organismen und Tiere abtöten. Dafür enthalten sie Stoffe, die zum Beispiel das Nervensystem blockieren oder die Vermehrungsfähigkeit des Schädlings einschränken. Diese Stoffe können besonders bei unsachgemäßer Anwendung auch für Mensch, Umwelt und andere Tiere gefährlich werden. Sowohl das Umweltbundesamt (UBA) als auch das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz empfehlen daher, Biozide nur einzusetzen, wenn es keine anderen Alternativen gibt. Textilien und andere Alltagsprodukte mit Bioziden sollten Konsument:innen möglichst meiden.

Laut dem UBA gibt es für Waren ohne primäre Biozidfunktion keine generelle Deklarationspflicht. Jedoch müssen auf der Verpackung oder dem Etikett alle eingesetzten Wirkstoffe sowie deren Funktion für das Produkt vermerkt sein. Auch an Werbeversprechen wie „antibakteriell“, „antifungizid“, „Hygienefunktion“ oder „sanitized“ kannst du erkennen, dass vermutlich Biozide zum Einsatz gekommen sind.

Zudem können dir einige Siegel dabei helfen, Biozide weitestgehend zu meiden. Dazu gehören unter anderem der Blaue Engel, FSC Pure, das Naturland-Siegel oder das Europäische Umweltzeichen für Textilerzeugnisse. Allerdings erlauben einige Siegel trotzdem den Einsatz bestimmter Biozide und anderer Zusatzstoffe. Je nach Produkt solltest du deshalb vor dem Kauf recherchieren, was das jeweilige Siegel vorschreibt.

Biozide in Kleidung

Besonders in Sportkleidung und Socken stecken teilweise Biozide. Die Kleidungsstücke werden dann zum Beispiel als „antibakteriell“ oder „Kleidung mit Anti-Geruchsfunktion“ deklariert und sind oft teurer als biozidfreie Produkte. Vor allem in Menstruationsunterhosen, den sogenannten Period Panties, kommen oft die Biozide Silberchlorid und Zinkpyrithion vor. Sie sollen Geruchsbildung  vorbeugen. Der Einsatz der Substanzen ist jedoch oft unnötig. Sinnvoller ist es, die Kleidung einfach mit einem ökologischen Waschmittel zu waschen, wenn sie unangenehm riecht.

Laut der Biozid-Verordnung sollen die Substanzen zudem nur eingesetzt werden, wenn für Verbraucher:innen ein klarer Nutzen vorhanden ist. Dies trifft laut UBA bei Kleidung nicht zu. So wird ein erheblicher Teil der verwendeten Biozide wieder ausgewaschen, wenn die Produkte in der Waschmaschine landen. Die Biozide gelangen dann über die Kläranlagen in natürliche Gewässer und können dort Tieren, Pflanzen und ganzen Ökosystemen Schaden zufügen. Zudem können sie beim Menschen Resistenzen (zum Beispiel gegen antibakteriell wirkende Stoffe) auslösen, die Gesundheit der Hautflora beeinträchtigen oder allergische Reaktionen auslösen.

Indem du deine Kleidung einfach wäschst, wenn sie nicht mehr frisch riecht, sparst du also nicht nur Geld, sondern schonst auch die Umwelt und vermeidest gesundheitliche Risiken.

Biozide in Lacken und Wandfarben

Auch Farben und Lacke können Biozide enthalten. Sie sollen zum Beispiel die Bildung von Pilzen oder Algen an der Fassade vermeiden und die Haltbarkeit der Farbe verlängern. Befinden sich die Farben an der Außenseite eines Hauses, werden die Biozide auch in diesem Fall nach und nach durch Niederschläge ausgewaschen. Sie versickern dann entweder im Boden oder gelangen über die Kanalisation in Gewässer.

Um dies zu vermeiden und dich auch im Hausinneren nicht den Gesundheitsrisiken von Bioziden auszusetzen, kannst du beim Kauf von Farbe auf den Blauen Engel achten. Bei einigen Farben steht zudem ausdrücklich auf der Verpackung, dass die Hersteller auf den Einsatz von Bioziden verzichtet haben.

Antibakterieller Haustierbedarf

Hundeleinen, Fressnäpfe oder Katzentoiletten, die mit Bioziden behandelt wurden, sollen die Hygiene von Haushalten mit Tieren verbessern. Auch diese Produkte sind nicht nur teuer und für Mensch und Tier potenziell gefährlich, sondern zugleich unnötig. Sinnvoller ist es, regelmäßig mit ökologischen Putzmitteln sauberzumachen und Näpfe täglich auszuspülen und dann trocken zu halten.

Biozide im Bad

Im Bad ist Hygiene besonders wichtig. Schließlich gilt es durch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit und das Vorhandensein verschiedener Abflüsse als stark anfällig für Bakterien und Pilze. Mit diesen Mythen und der Angst der Verbraucher:innen vor Schimmel und Keimen spielen die Werbeslogans für antibakterielles Badzubehör. So kannst du unter anderem WC-Sitze, Duschvorhänge, Duschschläuche, Rasierer und Bademäntel mit Bioziden kaufen. In Verbandsmaterialien kommt oft das Biozid Silberchloridwegen seiner antiseptischen Wirkung zum Einsatz.

Doch auch hier gilt: Wenn du dein Bad regelmäßig putzt und nach dem Duschen lüftest, sind Biozide nicht notwendig und bergen mehr Risiken als Nutzen. Achte deshalb auch beim Kauf von Badzubehör auf die Kennzeichnung der enthaltenen Wirkstoffe oder wende dich bei Zweifeln an Fachpersonal oder an den Hersteller selbst.