Der Begriff Herdenimmunität gewinnt nicht nur im Kontext von COVID-19 an Bedeutung. Als Experten für Infektionsmedizin und Epidemiologie erklären wir, was sie bedeutet, wie sie entsteht und warum sie essenziell ist. Basierend auf Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und aktuellen Studien fassen wir die Kernfakten zusammen.
Herdenimmunität schützt nicht nur Individuen, sondern die gesamte Gemeinschaft vor der Ausbreitung gefährlicher Erreger.
Was ist Immunität? Die Grundlagen
Immunität beschreibt den Schutzstatus eines Organismus gegenüber Krankheitserregern und Viren, bei dem Infektionen vorübergehend verhindert werden. Basierend auf jahrelanger Forschung wissen wir: Das Immunsystem muss zunächst mit einem Erreger in Kontakt kommen, um Antikörper zu bilden. Bei Folgeexpositionen reagiert es rascher und effektiver.
Wichtig: Normale Immunität stoppt nicht immer die Übertragung auf Dritte. Nur sterilisierende Immunität verhindert dies vollständig. Impfungen nutzen diesen Mechanismus, indem sie das Immunsystem gezielt trainieren.
Herdenimmunität unterbricht Infektionsketten und dämmt Ausbrüche hochansteckender Viren wie SARS-CoV-2 ein.
Wie entsteht Herdenimmunität?
Herdenimmunität liegt vor, wenn ein ausreichender Bevölkerungsanteil immun ist. Dieser Schwellenwert berechnet sich aus der Reproduktionszahl (R-Wert) des Erregers – also wie viele Personen eine Infizierte durchschnittlich ansteckt.
Beispiele nach RKI-Daten:
- Für den Wildtyp von SARS-CoV-2 liegt der Basis-R-Wert bei 3,3 bis 3,8 (ohne Maßnahmen, keine Immunität). Delta- und Omicron-Varianten sind ansteckender.
- Der effektive R-Wert sinkt durch Maßnahmen und Immunität.
Ziel: R-Wert unter 1 senken, sodass eine Infizierte im Schnitt weniger als eine weitere ansteckt. Immunisierte Personen brechen Ketten, Infektionszahlen fallen, der Erreger erlischt langfristig.
Reinfektion nach Genesung: Aktueller Forschungsstand
Immunität entsteht durch Infektion oder Impfung, wie der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) bestätigt. Bei SARS-CoV-2 ist sie nach Genesung oder Booster-Impfung am robustesten – Studien zeigen Schutz vor schweren Verläufen bis zu zwei Jahre. Reinfektionen sind selten und milder.
Impfungen fördern Herdenimmunität nachhaltig.
Vorteile und Herausforderungen der Herdenimmunität
Vorteile, gestützt auf RKI-Simulationen:
- Eindämmung: Pandemien werden gestoppt.
- Herdenschutz: Vulnerablen Gruppen wie Säuglingen oder Immunschwachen wird geholfen.
Zu beachten:
- Durchschnittswert: R-Wert variiert; exakte Schwellen sind approximativ.
- Mutationen: Ansteckendere Varianten erfordern höhere Immunquoten.
- Maßnahmenabhängig: Ohne Hygiene steigt R bei Abwesenheit von Schutz.
Vertiefung bietet das Video der promovierte Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim auf ihrem Kanal „maiLab“ (ARD/ZDF):