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Bindungsängste: Wenn Liebe und Beziehung bedrohlich wirken

Bindungsängste sind nicht leicht zu überwinden und können eine Freundschaft oder Beziehung schwer belasten. Die Anzeichen für dafür können vielfältig sein. Hier findest du Tipps, wie du mit Bindungsangst umgehen kannst.

Bindungsängste und ihre Ursachen

Enge Freundschaften und Partnerschaften können etwas Wundervolles sein. Was für die meisten von uns selbstverständlich klingt, kann für Menschen mit Bindungsängsten eine große psychische Belastung sein. Man fühlt sich durch die Nähe zu anderen bedrängt und sucht – bewusst oder unbewusst – nach Freiraum und Unabhängigkeit. Unter der Bindungsangst leiden aber meist beide Seiten. Denn während sich die Einen von Beziehungen eingeengt fühlen, können sich die Anderen zurückgewiesen und ungeliebt fühlen. Aber woran liegt das?

Die Angst vor Nähe und Bindung lässt sich häufig auf eine Angst vor dem Verlust der persönlichen Unabhängigkeit zurückführen. Dahinter steckt oft das unbewusste Vermeiden unangenehmer Situationen, die man in der Vergangenheit schon einmal erlebt hat. Wer wiederholt von Freund:innen und Partner:innen enttäuscht worden ist, dem fällt es in Zukunft schwerer, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Wiederum kann die Angst vor einer zu großen Verantwortung eine Rolle spielen. Bin ich vielleicht nicht gut genug, die Erwartungen meines Partners zu erfüllen?

Anzeichen für Bindungsängste

Wenn du unsicher bist, ob ein:e Freund:in oder Partner:in Schwierigkeiten hat, sich auf feste Beziehungen einzulassen, findest du hier einige Anzeichen für Bindungsängste. Du solltest aufmerksam werden, wenn ein Mensch in deinem Umfeld:

  • sich plötzlich und ohne erkennbaren Grund zurückzieht und nicht mehr erreichbar ist.
  • sich ungern auf Verabredungen einlässt oder diese ständig verschiebt.
  • keine Pläne für die Zukunft machen will, häufig wechselnde Partner hat und generell wenige enge Freundschaften pflegt.
  • stark schwankt zwischen einem Bedürfnis nach Nähe und Abstand.
  • sich stark nach Menschen sehnt, die für ihn oder sie unerreichbar sind
  • derart hohe Erwartungen an andere hat, dass sie niemand erfüllen kann.

Alle diese Beobachtungen kannst du auch an dir selbst vornehmen. Das fällt natürlich schwerer, als die Anzeichen an anderen zu erkennen. Aber es kann kann wichtig sein, um die Gefühle anderer Menschen zu schützen. Besonders, wenn sich deine Freund:innen oder dein:e Partner:in offensichtlich mehr Nähe wünschen, als das bei dir der Fall ist.

Bindungsängste überwinden

  1. Darüber sprechen: Es ist vollkommen normal, ein Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit zu haben. In einer Beziehung sollten dieses aber kommuniziert werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Das Gleiche gilt umgekehrt für das Bedürfnis, sich nahe zu sein und am Leben des Anderen teilzuhaben.
  2. Realistische Erwartungen haben: Zu hohe Erwartungen führen mit Sicherheit zu Enttäuschungen. Auch hier ist Kommunikation das Wichtigste. Sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin über eure Wünsche. Vielleicht stellst du dabei fest, dass die Erwartungen deines Gegenübers an dich gar nicht so erdrückend sind, wie du dachtest. 
  3. Momente bewusst erleben: In Freundschaften und Partnerschaften hat alles seine Zeit. Versuche, sowohl die Gemeinsamkeit als auch die Einsamkeit, ohne schlechtes Gewissen und gezielt zu genießen.
  4. Ängste untersuchen: Frage dich, woher deine Angst vor Nähe stammen könnte. Möglicherweise findest du dabei heraus, dass du Vermeidungsstrategien entwickelt hast, um Situationen zu entgehen, die in Wirklichkeit gar nicht bedrohlich sind.
  5. Hilfe suchen: Bindungsängste können tief liegende Ursachen in der Psyche eines Betroffenen haben. Manchmal kann sich das Problem daher nur mit professioneller Hilfe überwinden lassen.