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Grünling (Tricholoma equestre): Erkennen, Risiken und Ernteverbot – Expertenwissen der DGfM

Der Grünling ist ein Giftpilz, der vor allem in sandigen Kiefernwäldern heimisch ist und früher als Speisepilz galt. Hier erfahren Sie fundiertes Wissen zum Lamellenpilz von Mykologie-Experten.

Der Grünling (Tricholoma equestre) gehört zur Familie der Ritterlingsverwandten und wurde 2021 von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) zum Pilz des Jahres gekürt. Lange Zeit war er ein geschätzter, schmackhafter Speisepilz. Doch seit den Vergiftungsfällen 2001, darunter mehrere tödliche, warnen Expert:innen eindringlich vor dem Verzehr.

Grünlinge: Verzehrbar oder giftig?

Nach Angaben der DGfM handelte es sich bei den Vorfällen 2001 um schwere Rhabdomyolyse-Fälle, bei denen Muskelfasern – einschließlich der Herzmuskulatur – auflösten. Dies setzt Myoglobin frei, ein Protein für den Sauerstofftransport in Muskeln. In hoher Konzentration außerhalb der Muskeln kann es zu akutem Nierenversagen führen. Betroffene hatten über Tage oder Wochen große Mengen Grünlinge gegessen und entwickelten Muskelschwäche, die bei manchen tödlich endete.

Seither raten Expert:innen vom Verzehr ab. Ältere Pilzbücher listen ihn jedoch noch als Speisepilz, weshalb Ernte und Konsum fortbestehen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) äußerte sich 2004 zu den Risiken: Basierend auf den Daten war keine abschließende Bewertung möglich. Bis dahin war kein deutscher Rhabdomyolyse-Fall bekannt, das Risiko für Unverträglichkeitsreaktionen galt als „eher gering“.

Neuere Studien, zitiert von der DGfM, bezweifeln eine generelle Giftigkeit: Eine Untersuchung von 2018 stuft den Grünling nicht als toxisch ein und sieht keine höhere Gefahr als bei anderen essbaren Pilzen.

Die DGfM rät dennoch nachdrücklich vom Verzehr ab.

Wo wachsen Grünlinge und wie erkennt man sie?

Grünlinge treten in sandigen Kiefernwäldern von August bis November auf, wie die DGfM beschreibt.

Erkennungsmerkmale:

  • Hut bis 12 cm breit, polsterförmig, mit anliegenden Schüppchen, gelb-grünlich bis braun-grünlich.
  • Hutoberfläche feucht-schmierig, Nadeln und Sand haften daran.
  • Engstehende, tiefe Lamellen schwefel- bis zitronengelb.
  • Stiel bis 10 cm lang, zylindrisch, heller als Hut.
  • Fleisch riecht und schmeckt mehlig-gurkig.

Verwechslungsgefahr mit:

  • Galliger Ritterling: kegelförmiger Hut, scharfer Geschmack.
  • Schwefelritterling (giftig): entfernt stehende Lamellen, starker Geruch.
  • Grüngelber Ritterling: weißliche Lamellen, essbar.
  • Grüner Knollenblätterpilz (tödlich giftig): gelbgrün bis olivgrün/braun.

Grünlinge und Artenschutz

Gemäß Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) zählt der Grünling zu den besonders geschützten Arten. In Deutschland ist Ernte, Beschädigung des Pilzes oder seines Standorts verboten.