Wenn Sie weit genug vom Äquator entfernt leben, kann der Winter hart ausfallen. Er bringt oft eine verstopfte Nase, trockene Haut, ein paar Kilo mehr und weniger Lebensfreude mit sich als sonnige Sommertage. Die saisonale affektive Störung (SAD) ist eine reale Erkrankung, mit der viele Betroffene im Winter zu kämpfen haben.
Doch wie erkennen Sie, ob Ihre Wintermüdigkeit harmloser Blues oder eine ernsthafte Depression ist? Wo liegt die Grenze zwischen SAD und Depression? Ich habe Dr. Michel Mennesson, Facharzt für Psychiatrie mit ganzheitlichem Ansatz – der Achtsamkeit in seine Therapien integriert –, dazu befragt, um klare Unterschiede aufzuzeigen.
So erkennen Sie den Unterschied zwischen SAD und Depression
Laut Dr. Mennesson ist ein klares Indiz für SAD, dass die Symptome mit dem kalten Wetter kommen und gehen. Allerdings tritt SAD nicht immer zur gleichen Zeit auf: „Meist beginnen die Beschwerden im Herbst, halten sich im Winter und klingen mit dem Frühling ab. Bei manchen zeigt sie sich jedoch im Frühling“, erklärt der Experte.
SAD und Depression teilen viele Symptome – was die Abgrenzung erschwert. Dennoch nennt Dr. Mennesson typische SAD-Merkmale, die bei herkömmlicher Depression seltener vorkommen:
- Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung (nicht typisch für Depressionen)
- Übermäßiges Schlafen (bei Depressionen eher Einschlafprobleme)
- Heißhunger auf Kohlenhydrate
- Gewichtszunahme (bei Depressionen häufiger Verlust)
- Schweregefühl in Armen oder Beinen
Jüngere Menschen und Frauen sind besonders gefährdet: Drei Viertel der SAD-Diagnosen betreffen Frauen.
Warum der Unterschied entscheidend ist
Obwohl SAD eine Form der saisonalen Depression darstellt, ist eine genaue Abgrenzung essenziell. „Sie bestimmt die passende Therapie“, betont Dr. Mennesson. „Lichttherapie wirkt bei SAD hervorragend, Medikamente sind oft weniger effektiv als bei nicht-saisonaler Depression.“ Eine Fehldiagnose kann zu unwirksamen Behandlungen führen. Lassen Sie sich daher von einem Arzt beraten, der einen individuellen Plan erstellt.
Unabhängig von der Diagnose hilft Achtsamkeit: „Eine regelmäßige Praxis mindert Symptome und aktiviert den parasympathischen Modus – Ruhe und Regeneration“, sagt der erfahrene Yogi und Meditierer Dr. Mennesson.
Zusammenfassend: Weder SAD noch Depression sollten Sie allein bewältigen. Suchen Sie professionelle Hilfe – bei Bedarf ganzjährig oder nur winterlich.