Die Bibernelle ist eine unterschätzte einheimische Heilpflanze mit langer Tradition in der Naturheilkunde. Erfahren Sie hier, wie sie wirkt und wie Sie sie sicher einsetzen können.
Vorkommen und Merkmale der Bibernelle
Die Bibernelle gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sowohl die Große Bibernelle (Pimpinella major L.) als auch die Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga L.) eignen sich als Heilpflanze.
- Sie ist in Europa, Asien und dem Kaukasus heimisch und gedeiht auf Wiesen, Uferböden, sonnigen Hängen, kargen Flächen oder Schutthalden.
- Die Große Bibernelle erreicht bis zu einem Meter Höhe. Ihre hohlen Stängel sind blattlos, die Blätter sitzen basal oder versetzt am Stängel, gefiedert und zerschlitzte Ränder aufweisend.
- Die kleinen Blüten stehen in fünf- bis zwölfstrahligen Dolden und sind weiß-rosa gefärbt.
- Die Kleine Bibernelle bleibt etwas niedriger und weist feiner geschlitzte, rundliche Blätter auf.
Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August. Als Arzneimittel dienen die Wurzeln, die Sie idealerweise von März bis April oder September bis Oktober ernten.
Wichtiger Hinweis: Im Volksmund wird oft der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) fälschlich als Bibernelle bezeichnet. Vermeiden Sie Verwechslungen durch sichere Bestimmung vor der Ernte.
Die Wirkung der Bibernelle
Bereits seit dem 16. Jahrhundert wird Bibernelle als Heilpflanze genutzt – sogar als Mittel gegen die Pest. Ihre Wirksamkeit beruht auf wertvollen Inhaltsstoffen in der Wurzel, wie sie der renommierte Heilpflanzenexperte Mannfried Pahlow in seinem Standardwerk „Das große Buch der Heilpflanzen“ beschreibt:
- Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Saponine, Polyacetylene und Cumarine.
- Diese Stoffe entzünden hemmend, verdauungsfördernd und schleimlösend wirken. Ideal bei Bronchitis, Asthma oder Halsentzündungen.
- Weiterhin hilfreich gegen Verdauungsstörungen, Gallensteine, Nieren- und Blasensteine, Menstruationsbeschwerden sowie Sodbrennen.
- Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl sie bei Rheuma und Nierenentzündungen.
- Laut Pahlow sind keine Nebenwirkungen bekannt. Dennoch: Bei selbstgemachten Präparaten wie Tee oder Tinktur Vorsicht walten lassen und bei Unsicherheiten einen Arzt konsultieren.
Die Anwendung der Bibernelle
Aus den Wurzeln lassen sich Tee oder Tinkturen herstellen – innerlich oder äußerlich, z. B. zum Gurgeln bei Halsschmerzen.
- Frisch oder getrocknet verarbeiten. Getrocknete Wurzeln kühl und luftdicht lagern.
- Zur Trocknung: Erde entfernen, längs spalten, an luftiger, trockener Stelle eine Woche hängen, dann bei ca. 40 °C im Ofen nachlegen.
Bibernelle-Tee lindert Halsentzündungen, Bronchitis oder Asthma. Zubereitung:
- 1 gehäuften TL Wurzel mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen.
- Langsam erhitzen bis zum Sieden.
- 1 Minute köcheln lassen, abseihen.
- Optional mit Honig süßen – ungesüßt zum Gurgeln geeignet.
- Tipp: Auf ca. 40 °C abkühlen lassen, bevor Honig hinzugefügt wird, um seine Wirkstoffe zu erhalten. Wählen Sie bio-zertifizierten Honig oder direkt vom Imker für beste Qualität und Umweltschonung.
Bei Halsschmerzen: Bibernelle-Tinktur – 30 Tropfen in Wasser zum Gurgeln.