Laut einer aktuellen Studie bleiben Paare, die gemeinsam Cannabis konsumieren, häufiger zusammen. Während Daten andeuten, dass Alkohol und Marihuana aggressive Tendenzen verstärken können, ergab diese Untersuchung den gegenteiligen Effekt bei Cannabiskonsum in Ehekonflikten. Experten zeigen sich kaum überrascht.
„Ich hätte genau das vorhergesagt“, erklärt Jordan Tishler, M.D., Cannabisspezialist mit über 20 Jahren Erfahrung (nicht an der Studie beteiligt). „Cannabis verringert die Häufigkeit von Gewalt durch Intimpartner.“
Vorherige Forschungen zum Cannabis-Gewalt-Nexus konzentrierten sich überwiegend auf Personen mit gewalttätiger psychiatrischer oder krimineller Vorgeschichte. Eine 2008er-Studie mit 269 Männern (kontrolliert für Alkoholmissbrauch und antisoziale Persönlichkeitsstörung) fand eine positive Korrelation – bei Probanden mit Verhaftungen wegen häuslicher Gewalt. Eine weitere Studie zeigte gewalttätigeres Verhalten durch fortgesetzten Cannabiskonsum als bei Alkohol oder Kokain, jedoch nur bei Patienten mit psychiatrischen Krankenhausaufenthalten.
Diese seltene Studie zu gewaltfreien verheirateten Paaren befragte 634 Paare per Mail-Umfragen in den ersten neun Ehejahren zu Alkohol, Cannabis und körperlicher Aggression. Ergebnis: Häufigerer Cannabiskonsum prognostiziert weniger Intimpartnergewalt.
Das liege daran, dass „chronische Konsumenten eine abgestumpfte emotionale Reaktion auf Bedrohungen zeigen, was Aggression mindert“, sagt Benjamin Krasne, M.D., Anästhesist (nicht beteiligt). „Reduzierter Stress und Angst durch chronischen Konsum machen Partnerschaftsgewalt unwahrscheinlicher.“
Tishler betont: Auch gelegentlicher Konsum reicht, um Angst zu dämpfen. Niedrige THC-Dosen (z. B. medizinisch verschrieben) beruhigen Cannabinoidrezeptoren, statt sie zu überstimulieren, und unterbrechen Angst-Wut-Schleifen.
Trotzdem: Keine Wundermittel für chronische Konflikte. Die Studie basiert auf selbstberichteten Daten zu Konsum und Aggression – oft untertrieben. Sie hat Lücken.
Tishler beobachtet: Niedrige Dosen verbessern Sex, Intimität und Bindung. „Weniger Angst, mehr Nähe – Cannabis stärkt Ehen.“
Für Paare ohne Vorgeschichte: Gelegentliches Cannabis könnte helfen. „Kinder brauchen gewaltfreie Beziehungen“, sagt Krasne. „Medikamente hierfür sollten nicht tabu sein.“